Jetzt glauben ganz viele Menschen, daß ich radikal mein Essen in GUT und BÖSE unterteile und mich quasi nur noch von Körndln und Wasser ernähr. Dem ist nicht so, wie das letzte Wochenende eindrucksvoll gezeigt hat.

Wenn ich ausländische Gäste durch Wien führe, suche ich gerne die stillen Wege, die Wien von einer etwas anderen, authentischeren Seite zeigen. Eine deftige Schnitzeleinkehr “nach Wiener Art” muss aber dabei sein, und da präferiere ich immer die Gastwirtschaft “Zu den 2 Lieserln” in Wien-Neubau. Die Küche des originellen Beisls ist von der urigen Gaststube sogar durch das öffentliche Stiegenhaus getrennt. Und der Grant der Kellner mutet teils schon derartig unfreundlich an, daß es schon wieder lustig wirkt. Aber des Pudels Kern und Grund jedes Abstechers in die Burggasse sind die phänomenalen Schnitzelvariationen, die zuletzt aber leider nur mehr durch Quantität, denn durch Qualität bestachen. Also komplett konträr zu meinen sonstigen Ernährungsgewohnheiten. Und über die +/- Nahrungsbilanz eines Schnitzels gibts leider eh nix zu streiten, das sieht gaaaaaanz mies aus (Stichwort Schweinefleisch, Brösel, Frittieren etc).

Und was mach ich vor den Augen meiner verwunderten Gäste ? Ich bestell mir das grösste Ding, namens “Hausschnitzel”. Als fettes Extra noch mit Gorgonzola und Zwiebel in Cordon-Bleu-Style gefüllt und begleitet von Bratkartoffel und einem Hauch von Vitaminen in Form eines grünen Salates.

Und ich gestehe: Bis zum letzten Brösel hab ich alles aufgegessen, als letzter Rest zierten danach nur noch die beiden Zitronenspalten den geleerten Teller.

Sowas passiert nicht oft, aber es passiert.

Das wahrlich wunderhafte an diesem Tag. Wahrscheinlich durch die langen touristischen Spaziergänge durch die Stadt und eine blendend arbeitende Verdauung zeigte meine Waage am nächsten Tag trotzdem ein Minus von 0,5 kg. Seltsam, das !

Vorab sei mal erwähnt: Ich ernähre mich nicht vegetarisch. Aber es ist mir klar, daß Fleisch essen zu einem grossen Problem geworden ist. Und ich möchte es eigentlich meiden. Nicht immer gelingt es.

“Nichts wird die Gesundheit des Menschen und die Chancen auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung.” (Albert Einstein)

Es wird so um mein neunzehntes Lebensjahr gewesen sein, als ich in der damals wirklich noch guten Zeitschrift WIENER einen Artikel über das Buch “10 Gründe, warum ich kein Fleisch mehr esse” von Volker Eilis Pilgrim gelesen habe. Es machte mich irgendwie neugierig und ich kaufte mir das Teil. Der Inhalt hat mich so ergriffen und mitgerissen, daß ich die Vorteile der fleischlosen Ernährung selber an mir austesten wollte.

Der deutsche Author schrieb über seine Beweggründe auf Fleisch zu verzichten und die vielen positiven Auswirkungen auf sein Bewusstsein und die Gesundheit, insbesondere die Leistungsfähigkeit. Ungern erinnert sich meine Umgebung an diese Zeit, denn ich praktizierte den Fleischverzicht nicht nur an mir selbst, sondern versuchte in prophetischer Art und Weise allen meinen Zeitgenossen den Verzehr desselben Leid zu machen.

Immer seltener wird der Appetit auf SchweinsschnitzelZu dieser Zeit betrieb ich intensiv Sport. Meine Ausdauer und Kraft wurde in kürzester Zeit gesteigert, ich verlor an Gewicht (Fett) und konnte traumhaft gut schlafen. Meine Haut wurde besser und ich steigerte meine sexuelle Aktivität. Sogar meine Fäkalien haben weniger gestunken. Ich war begeistert. Über einen Zeitraum von ungefähr 16 Monaten verzichtete ich damals komplett auf Fleisch und stellte mich dazu jeder Diskussion.

Erst als ich in das Berufsleben eingetreten bin und den größten Teil meiner Zeit in einem Bürohaus mit traditionellem Mittagstisch und “Wurstsemmel”-Kantine verbrachte, begann ich wieder langsam Fleisch zu essen.

Seit diesem Zeitpunkt aber zumeist mit schlechtem Gewissen. Und wenn ich mich für Fleisch entschieden habe, dann (mit Ausnahme des abgebildeten Wiener Schnitzels) kein Schwein. Sogar als Kandidat der Sendung “Du bist was du isst” wurde ich von der moderierenden Ernährungsberaterin gelobt, daß ich hier fast nur die weniger bedenklichen Varianten (damit mein ich weniger bedenklich für MEINE Gesundheit) zu mir genommen habe, wie Hühnerfleisch oder Rindersteak.

Aber ich möchte den Fleischverzehr auch jetzt wieder auf ein Minimum reduzieren.