Man kennt das fleischlose Angebot im Segment der verstaubten Gastronomie: Zumeist frittiertes Gemüse, Käse oder irgendeine Art von fettigen Convenience-Laibchen. Manchmal vielleicht noch Klassiker wie Eiernockerl, Kasspätzle und eben die traditionellen Süßspeisen. Hier im Steirischen Mariazell hat ein findiger Wirt aber noch den vegetarischen Fisch auf der Karte:

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Ernst Kerschbaumer vom Radlwirt in Mariazell dürfte mal ein begnadeter Musiker gewesen sein. Vergilbte Bilder an der Trompete zeugen von dieser wohl vergangenen Zeit. Mittlerweile gibt es im Wirtshaus der Familie Kerschbaumer, nahe der Basilika im Wallfahrtsort, Livemusik nur noch nach Bedarf. Und den hatten die beiden einzigen Gäste mit ihren Puntigamer Bierflaschen vorm Gesicht offensichtlich nicht. Auch ich hatte nicht vor, länger als einen neugierigen Blick in der Gaststube zu verbleiben, denn schon das vegetarische Angebot an der aussen proklamierten Speisekarte, schreckte mich ab:

Forelle im vegetarischen Angebot hatte ich noch nicht im Register der Absurditäten. Ebenfalls in der Steiermark erklärte mir einmal eine Wirtin in Leoben, daß die Speckwürfel in der Salatschüssel ohnehin kein Fleisch wären. Aus Texas hören wir, daß Vegetarier dort nur auf rotes Fleisch verzichten und Hühnerfleisch durchaus als vegetarische Köstlichkeit durchgeht! Daß dort einiges nicht stimmen kann, ahnte ich seit George Bush dem jüngeren.

Auch vernahm ich, daß Mönche im Mittelalter in der Fastenzeit Biber essen durften, weil das Tier im Wasser schwimmt, und daher eher eben Fisch und kein Fleisch. Wenn man vegetarisch nun also als rein fleischlos bezeichnet, könnte es hier zu Missverständnissen kommen, denn auch eine althergebrachte Frage lautet: “Fisch oder Fleisch?” (ebenso ein köstlicher Film mit Louis de Funes aus den späten 50er Jahren)

Die vegetarische Kost ist aber klar definiert: Keine Lebewesen werden gegessen, und da zählt der Fisch eben genauso dazu, wie der Speck oder das Hühnerfleisch. Und alle, die auch gleich auf gänzliche Produkte dieser Lebewesen, wie Milch, Ei oder Honig verzichten wollen, sind eben Veganer.

Wer in Mariazell, so wie ich aber nicht vegetarisch unterwegs ist – und Lust auf guten Fisch hat, der sollte ohnehin woanders essen gehen. Direkt unter der Basilika hat nämlich Alexander Quester – Spross der Autorennfahrer und Baustoffmarktdynastie – einen Shop mit kleinem Restaurant mit seinen Fischspezialitäten eröffnet: Questers feiner Fisch kommt aus nachhaltiger Süßwasserzucht im nahen Gußwerk und wird mittlerweile in der Topgastronomie serviert.

 

www.radlwirt.com

www.questers.at

 

Ganz unbewußt, vielleicht aber gerade deswegen “bewußt” habe ich in den letzten Tagen komplett auf Fleisch verzichtet, sogar komplett auf tierische Lebensmittel. Fast. Aber vielleicht bestätigen Ausnahmen auch in diesem Fall die Regel.

Eigentlich sollte es gar keine Regel sein. Denn ich habe eigentlich nach wie vor gerne Fleisch gegessen. Dabei habe ich zwar schon darauf geachtet, daß es sich in Grenzen hält und die Qualität der Ware passt. Und mit Qualität meine ich nicht ausschließlich den Gechmack, sondern insbesondere die Herkunft in Bezug auf Tierhaltung und ökologischer Landwirtschaft.

Das ist ein Punkt, der den Fleischkonsum aus wirtschaftlichen Gründen ohnehin schon einschränkt. Denn will ich gutes Hühnerfleisch kaufen, geht das nicht mit Preisen unter € 30 pro kg und das kann ich mir einfach nur noch sehr selten leisten. Der Preis bei konventionellen Hühnerfleisch liegt in etwa bei einem Drittel, bei Diskonterware noch darunter. Dieser Unterschied ist aber jeden Cent wert mehr als nur nachhaltig begründet.

Weil ich mich aber letzte Woche ganz gegen meine eigentliche Einstellung recht ungesund ernährt habe und auch viel zu oft Fleisch gegessen habe (das spüre ich übrigens sofort auch negativ an Hand meines körperlichen Befindens), wollte ich das komplette Wochenende ohne Fleisch auskommen.

Das ist mir auch gelungen. Ganz ohne Probleme. Und mittlerweile sind es jetzt schon 5 Tage geworden, in denen ich kein Fleisch esse. Gestern, als ich zum Mittagstisch am Biohof Adamah eingeladen war, ist mir das erst aufgefallen. Dort wird für die Belegschaft täglich vegetarisch gekocht. Und als ich speziell darauf hingewiesen wurde, ist mir erst aufgefallen, das ich zuletzt Donnerstags letzter Woche Fleisch gegessen hab. Gut so.

Die Veränderung von Attila HildmannInteressanterweise liegen schon seit Tagen zwei Dinge auf der Fernsehbank, die ich mir bald anschauen möchte. Das ist auf der einen Seite das neue Kochbuch von Attila Hildmann: Vegan For Fun. Und auf der anderen Seite die DVD A Life Connected, die ich bei einem Gewinnpiel von Animal Fair gewonnen habe. Das Buch wird mir wohl noch mehr Appetit auf veganes/vegetarisches machen und der Film wohl vor weiteren Fleischverzehr abschrecken.

Ausserdem hab ich beinahe geglaubt, daß ich mich die letzten Tage sogar vegan ernährt hab. Milchprodukte haben in meinem Haushalt ohnehin keinen wichtigen Platz. Erst bei genauerer Hinsicht sind mir dann die paar Löffel Parmesan aufgefallen. Und mit Sicherheit war irgendwo anders auch noch bisserl was tierisches versteckt. Und ich meine jetzt nicht meine Lederschuhe.

Im Eisschrank liegt nun schon seit 2 Wochen eine unangebrochene Packung Schinken. Muss wohl mal auf das Mindesthaltbarkeitsdatum sehen, aber so schnell werde ich das sicher nicht essen. Mein Frühstück sah heute finde ich besonders lecker aus, heute variierte ich mal und hab statt dem morgendlichen Obstporridge wieder gutes Brot mit Hiel-Aufstrichen und viel frischem Gemüse gegessen.

Im Übrigen ist mir in den letzten Tagen auch aufgefallen, daß zwei Freunde von mir zu Vegetariern mutiert sind. Menschen, von denen ich das absolut nicht erwartet hab. Ganz unprätentiös. Weiter So!

 

Vorab sei mal erwähnt: Ich ernähre mich nicht vegetarisch. Aber es ist mir klar, daß Fleisch essen zu einem grossen Problem geworden ist. Und ich möchte es eigentlich meiden. Nicht immer gelingt es.

“Nichts wird die Gesundheit des Menschen und die Chancen auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung.” (Albert Einstein)

Es wird so um mein neunzehntes Lebensjahr gewesen sein, als ich in der damals wirklich noch guten Zeitschrift WIENER einen Artikel über das Buch “10 Gründe, warum ich kein Fleisch mehr esse” von Volker Eilis Pilgrim gelesen habe. Es machte mich irgendwie neugierig und ich kaufte mir das Teil. Der Inhalt hat mich so ergriffen und mitgerissen, daß ich die Vorteile der fleischlosen Ernährung selber an mir austesten wollte.

Der deutsche Author schrieb über seine Beweggründe auf Fleisch zu verzichten und die vielen positiven Auswirkungen auf sein Bewusstsein und die Gesundheit, insbesondere die Leistungsfähigkeit. Ungern erinnert sich meine Umgebung an diese Zeit, denn ich praktizierte den Fleischverzicht nicht nur an mir selbst, sondern versuchte in prophetischer Art und Weise allen meinen Zeitgenossen den Verzehr desselben Leid zu machen.

Immer seltener wird der Appetit auf SchweinsschnitzelZu dieser Zeit betrieb ich intensiv Sport. Meine Ausdauer und Kraft wurde in kürzester Zeit gesteigert, ich verlor an Gewicht (Fett) und konnte traumhaft gut schlafen. Meine Haut wurde besser und ich steigerte meine sexuelle Aktivität. Sogar meine Fäkalien haben weniger gestunken. Ich war begeistert. Über einen Zeitraum von ungefähr 16 Monaten verzichtete ich damals komplett auf Fleisch und stellte mich dazu jeder Diskussion.

Erst als ich in das Berufsleben eingetreten bin und den größten Teil meiner Zeit in einem Bürohaus mit traditionellem Mittagstisch und “Wurstsemmel”-Kantine verbrachte, begann ich wieder langsam Fleisch zu essen.

Seit diesem Zeitpunkt aber zumeist mit schlechtem Gewissen. Und wenn ich mich für Fleisch entschieden habe, dann (mit Ausnahme des abgebildeten Wiener Schnitzels) kein Schwein. Sogar als Kandidat der Sendung “Du bist was du isst” wurde ich von der moderierenden Ernährungsberaterin gelobt, daß ich hier fast nur die weniger bedenklichen Varianten (damit mein ich weniger bedenklich für MEINE Gesundheit) zu mir genommen habe, wie Hühnerfleisch oder Rindersteak.

Aber ich möchte den Fleischverzehr auch jetzt wieder auf ein Minimum reduzieren.