Eigentlich bin ich ja kein Fischesser. Schon Sasha Walleczek hatte dereinst nur kurzfristig Erfolg, mir den Verzehr von Thunfisch und Lachs zumindest manchmal ans Herz zu legen. Angeregt von einer Veranstaltung der österreichischen Umweltberatung startete ich gestern einen erneuten Anlauf.

Der gemeine Österreicher ist jährlich cirka 8 kg Fisch, wovon auch nur 1 kg in Süsswasser groß geworden ist. Im Verhältnis zu mediterranen Ländern, die den direkten Zugang zum Meer haben ist das nur ein Zehntel. Der österreichische Ernährungsbericht empfiehlt ca 21-31 g Fisch pro Tag, real ist der Ösi umgerechnet 13 g / Tag. Allerdings: Würde die gesamte Bevölkerung unseres blauen Planeten 15 g Fisch essen, dann würde der Bedarf den Fischbestand unserer Erde schon jetzt um 12 Millionen Tonnen übersteigen. Damit hatte ich bis jetzt eine ziemlich gute Ausrede. Muss ja nicht jeder gleich wissen, das mir Fisch nicht schmeckt und schon der Geruch, als das “fischeln” in mir den selben Ekel erregt wie Mundgeruch oder Menschen, die allzu selten Ihre Bekleidung wechseln.

Nun soll Fisch aber sehr gesund sein und einige Dinge enthalten, die ich gut brauchen kann. Das Eiweiss des Fisches hat ein sehr hohe biologische Wertigkeit: Mein Körper kann 94 von 100 aufgenommenen g Fischprotein zu körpereigenen Eiweiss umwandelnhen. Und natürlich der hohe Gehalt an Omega-3-Fettsäuren. Sie wirken sich unter anderem positiv auf den Cholesterinspiegel, Blutdruck, Fließeigenschaften meines Blutes, Entzündungen aus. Daß die Omega-3-Fettsäuren auch Schwangere vor Frühgeburten schützt, konnte mich wiederum nicht direkt beeindrucken. Aber was solls: Fisch schmeckt mir halt nicht.

Jetzt kenn ich aber grossteils nur diese Dinger, die aus den Tiefkühltruhen der Supermärkte locken, am Naschmarkt in Auslagen vor potentiellen Käufern posieren oder in Kleinteilen zusammengewürfelt und von einem ominösen Captain zu Stäbchen panierten Fischresten. Letzteres konnte man mir zuletzt manchmal ebenso wie Modefische wie Pangasius oder Dilapa unterjubeln. Denn, und für mich war das ein Vorteil, nach Fisch schmeckt das ja ohnehin nicht mehr.

Im traumhaft frühlingshaften Rohr am Gebirge im Piestingtal trafen sich dann gestern Multiplikatoren aus den Bereichen Umwelt, Nahrung und Nachhaltigkeit, um von der Umweltberatung über die aktuellen Entwicklungen der Fischindustrie informiert zu werden und von Peter Brauchl von VielfaltFisch in die Erzeuger- und Geschmackswelt heimischer Alternativen geleitet zu werden.

Wahnsinnig interessant, was Ernährungswissenschaftlerin Gaby Wittner uns über den weltweiten Fischfang erzählte und nicht minder spannend, wie Peter Brauchl zu seiner jetzigen Leidenschaft gekommen ist: “Wenn wir in Österreich schon das beste Wasser haben, müssen wir doch auch die hochwertigsten Fische züchten können !”. Und das hat er mittlerweile geschafft. Davon konnten wir uns nicht nur sofort geschmacklich überzeugen, mit den Filets der in den heimischen Bergen gezüchteten Alpenlachse durften die Teilnehmer in verschiedenen Gruppen gleich direkt in kleinen Workshop-Gruppen die richtige Verarbeitung erlernen. Wir bastelten uns selber Alpenlachstartar, Rosen aus Lachsfilets und Alpenlachs-Sushi, bevor wir von der Küche des Hotels Kaiser Franz Josef mit Alpenlachscremesuppe und mit Polenta überbackenen Alpenlachsfilets verwöhnt wurden.

Im Anschluss ging es zu den Zuchtbecken, wo wir uns von der biozertifizierten Fütterung und der artgerechten Haltung der Tiere überzeugen konnten. Hier gibt es keine badewannengroßen Becken in denen in millimeter-Abstand Fische qualvoll japsen. Nein, hier wollte auch ich gerne länger verweilen.

Ich hab an dem Tag wohl mehr Fisch gegessen, als in den letzten 5 Jahren zusammen. Und es war wirklich äusserst lecker. Guter Fisch hat übrigens auch seinen Preis und für nachhaltig produziertes Lachsfilet zahlt man seine 50 Euronen pro kilogramm. Das ist es aber mehr als wert. Zumindest optisch ähnliche Produkte in Supermarktregalen und den Kühltruhen schwedischer Möbelhäuser werden in mir auch weiterhin keinen Käufer mehr finden, zum Alpenlachs werd ich jedoch öfters greifen.

Hier abschliessend noch ein paar appetitanregende Bilder unserer geschaffenen Kreationen:

Rose vom Alpenlachs mit Dijonsenf/Honig-Sauce

Sushi vom Alpenlachs ("Der Trick mit dem Eierbecher")

Alpenlachs-Tartar (mit Oliven/Zitronen-Öl und Kren)