Jedes Jahr das gleiche: Da wartet man wochenlang im Schweisse seines Erd- und Sonnegegerbten Hobbygärtnergesichtes auf die ersten zu erntenten Früchte im Selbsterntegarten – und dann wachsen die Zucchini innerhalb von 4 Tagen in alle Richtungen.

Vor wenigen Tagen sind die ersten kleinen Zucchini gerade mal unter den Blüten aufgetaucht. Am Donnerstag haben wir die ersten beiden “in Handelsgröße” schon geerntet und fröhlich ins Essen geschnippselt. Gestern aber bin ich wieder raus: Schock schwere Not! Die Zucchini sind in Ihrer Größe explodiert.

Den Nachbarn ist es bereits zuviel geworden und einige Riesenexemplare gipfeln am Komposthaufen des Selbsterntegartens. Am Gemeinschaftstisch, gleich neben dem Eingang liegen weitere Prachtexemplare zur freien Entnahme. Aber meine möchte ich verwerten. Wegwerfen geht nicht. Die Verwandtschaft gerade alle auf Urlaub, die Nachbarn mögen Zucchini nicht – also wird gekocht, eingekocht und experimentiert.

Die hätten eigentlich nicht auf den Kompost sollen!

Die hätten eigentlich nicht auf den Kompost sollen!

Teil 1. Aus dem heute geplanten Erdäpfelgratin zum Lachssteak wird nun ein Erdäpfel/Zucchinigratin mit geringem Erdäpfelanteil.

Teil 2. Während im Rohr das Gratin vor sich hin gart, koche ich in zwei großen Töpfen die restlichen Zucchinimonster. In ersterem Topf mit Zwiebel, Chilipulver zu einem Pesto, in zweiteren kommt noch etwas Ingwer dazu: das ganze wird flüssiger eingekocht und wird in etwas kürzerer Zeit zu einer Suppe. Ein Experiment – zuvor noch nie probiert. Der Lachs (erstmals mit Limette statt mit Zitrone eingeträufelt) war mit dem Gratin eine Sensation. Hat wirklich gut geschmeckt und war nach einem sehr geschäftigen sportlichen Sonntag ein Highlight.

Die Kombination Zucchini/Ingwer kann nicht begeistern. Experiment gescheitert – das werde ich morgen mit wenig Begeisterung essen.

Zu einem Samstagvormittag an einem Papawochenende gehört für meinen Sohn schon fast obligatorisch der Einkauf am Biobauernhof Breitenfurt. Dort ist nicht nur gut einkaufen, dort kann Florian auch viele Tiere sehen und alte Traktoren bestaunen. Noch schöner ist es aber, wenn mit den erstandenen Sachen danach auch selber gekocht wird.

Für Kinder, die ungerne essen oder kaum neue Sachen probieren, ist gemeinsam kochen immer eine große Hilfe. Für Florian zählt das nicht. Er isst oft, viel und gerne. Und durch den sorgsamen Umgang von seiner Mutter und mir zumindest auch ausserhalb des Kindergartens sehr gesund. Trotzdem versuche ich Ihm schon sehr früh die  Vollwerternährung schmackhaft zu machen und einen gesunden Umgang mit guten Nahrungsmitteln nahebringen. Mein Sohn war immer schon in die Einkäufe am Bauernhof oder im Biomarkt eingebunden, das Pflanzen, Hegen und Ernten im Selbsterntegarten letzten Sommer war der nächste Schritt. In 5 Wochen wird der Zwerg jetzt 3 Jahre alt, da können wir es mit dem Kochen ja jetzt auch ein mal probieren.

Einen halben Muskatkürbis haben wir geschält und kleine Stücke gemeinsam mit einer halben Zucchini und 2 Paradeisern in sehr wenig Gemüsesuppe gekocht. Daraus wir dann das Sugo, das wir zu unseren selbstgemachten Dinkelvollkornnudeln essen.

300 g Spielberger Dinkelvollkornmehl mischen wir mit 2 Eiern, 100 ml Wasser, einem Löffel Olivenöl sowie etwas Salz. Alle Zutaten mit Ausnahme von Wasser und Salz natürlich in Bioqualität.

Der Teig wird cirka 8 min heftig geknetet, und danach für 20 min kühl gestellt. In dieser Zeit können wir das gekochte Gemüse einstweilen zu einem leckeren Sugo pürieren. Der Mixstab ist neben Papa’s iPhone ohnehin das Lieblingsspielzeug des angehenden Koches.

Nach einiger Zeit holen wir den Teig aus dem Eisschrank und drucken aus klein geformten Bällchen Teigplatten mit der Nudelmaschine. Diese werden dann mit einer weiteren Drehung in breite Nudeln geschnitten.

Der Teig ist heute etwas zu klebrig, läßt sich daher schwer in Nudelform ins kochende Salzwasser bringen. Das Ergebnis schmeckt sehr gut, könnte in seiner Konsistenz aber auch ein geschnittener Pfannkuchen sein.

Aber es schmeckt. Gemeinsam mit dem Sugo und angebratenem Käse serviert sind das herrliche DIY-Delikatessen. Mahlzeit!

 

Eigentlich bin ich ja kein Fischesser. Schon Sasha Walleczek hatte dereinst nur kurzfristig Erfolg, mir den Verzehr von Thunfisch und Lachs zumindest manchmal ans Herz zu legen. Angeregt von einer Veranstaltung der österreichischen Umweltberatung startete ich gestern einen erneuten Anlauf.

Der gemeine Österreicher ist jährlich cirka 8 kg Fisch, wovon auch nur 1 kg in Süsswasser groß geworden ist. Im Verhältnis zu mediterranen Ländern, die den direkten Zugang zum Meer haben ist das nur ein Zehntel. Der österreichische Ernährungsbericht empfiehlt ca 21-31 g Fisch pro Tag, real ist der Ösi umgerechnet 13 g / Tag. Allerdings: Würde die gesamte Bevölkerung unseres blauen Planeten 15 g Fisch essen, dann würde der Bedarf den Fischbestand unserer Erde schon jetzt um 12 Millionen Tonnen übersteigen. Damit hatte ich bis jetzt eine ziemlich gute Ausrede. Muss ja nicht jeder gleich wissen, das mir Fisch nicht schmeckt und schon der Geruch, als das “fischeln” in mir den selben Ekel erregt wie Mundgeruch oder Menschen, die allzu selten Ihre Bekleidung wechseln.

Nun soll Fisch aber sehr gesund sein und einige Dinge enthalten, die ich gut brauchen kann. Das Eiweiss des Fisches hat ein sehr hohe biologische Wertigkeit: Mein Körper kann 94 von 100 aufgenommenen g Fischprotein zu körpereigenen Eiweiss umwandelnhen. Und natürlich der hohe Gehalt an Omega-3-Fettsäuren. Sie wirken sich unter anderem positiv auf den Cholesterinspiegel, Blutdruck, Fließeigenschaften meines Blutes, Entzündungen aus. Daß die Omega-3-Fettsäuren auch Schwangere vor Frühgeburten schützt, konnte mich wiederum nicht direkt beeindrucken. Aber was solls: Fisch schmeckt mir halt nicht.

Jetzt kenn ich aber grossteils nur diese Dinger, die aus den Tiefkühltruhen der Supermärkte locken, am Naschmarkt in Auslagen vor potentiellen Käufern posieren oder in Kleinteilen zusammengewürfelt und von einem ominösen Captain zu Stäbchen panierten Fischresten. Letzteres konnte man mir zuletzt manchmal ebenso wie Modefische wie Pangasius oder Dilapa unterjubeln. Denn, und für mich war das ein Vorteil, nach Fisch schmeckt das ja ohnehin nicht mehr.

Im traumhaft frühlingshaften Rohr am Gebirge im Piestingtal trafen sich dann gestern Multiplikatoren aus den Bereichen Umwelt, Nahrung und Nachhaltigkeit, um von der Umweltberatung über die aktuellen Entwicklungen der Fischindustrie informiert zu werden und von Peter Brauchl von VielfaltFisch in die Erzeuger- und Geschmackswelt heimischer Alternativen geleitet zu werden.

Wahnsinnig interessant, was Ernährungswissenschaftlerin Gaby Wittner uns über den weltweiten Fischfang erzählte und nicht minder spannend, wie Peter Brauchl zu seiner jetzigen Leidenschaft gekommen ist: “Wenn wir in Österreich schon das beste Wasser haben, müssen wir doch auch die hochwertigsten Fische züchten können !”. Und das hat er mittlerweile geschafft. Davon konnten wir uns nicht nur sofort geschmacklich überzeugen, mit den Filets der in den heimischen Bergen gezüchteten Alpenlachse durften die Teilnehmer in verschiedenen Gruppen gleich direkt in kleinen Workshop-Gruppen die richtige Verarbeitung erlernen. Wir bastelten uns selber Alpenlachstartar, Rosen aus Lachsfilets und Alpenlachs-Sushi, bevor wir von der Küche des Hotels Kaiser Franz Josef mit Alpenlachscremesuppe und mit Polenta überbackenen Alpenlachsfilets verwöhnt wurden.

Im Anschluss ging es zu den Zuchtbecken, wo wir uns von der biozertifizierten Fütterung und der artgerechten Haltung der Tiere überzeugen konnten. Hier gibt es keine badewannengroßen Becken in denen in millimeter-Abstand Fische qualvoll japsen. Nein, hier wollte auch ich gerne länger verweilen.

Ich hab an dem Tag wohl mehr Fisch gegessen, als in den letzten 5 Jahren zusammen. Und es war wirklich äusserst lecker. Guter Fisch hat übrigens auch seinen Preis und für nachhaltig produziertes Lachsfilet zahlt man seine 50 Euronen pro kilogramm. Das ist es aber mehr als wert. Zumindest optisch ähnliche Produkte in Supermarktregalen und den Kühltruhen schwedischer Möbelhäuser werden in mir auch weiterhin keinen Käufer mehr finden, zum Alpenlachs werd ich jedoch öfters greifen.

Hier abschliessend noch ein paar appetitanregende Bilder unserer geschaffenen Kreationen:

Rose vom Alpenlachs mit Dijonsenf/Honig-Sauce

Sushi vom Alpenlachs ("Der Trick mit dem Eierbecher")

Alpenlachs-Tartar (mit Oliven/Zitronen-Öl und Kren)