Das Gewicht hat sich in den letzten beiden Wochen konstant knapp über 140 kg eingependelt. Fortschritte gibt es im sportlichen Bereich. Und das ist ja auch schon was !

Schwimmen im Hallenbad ist mittlerweile zu einem Fixum meiner Woche geworden, mindestens einmal in sieben Tagen spule ich über 60 Minuten in Brustlage runter. Das ist gut so und schafft einen guten Ausgleich. Dazu noch viel schnelles gehen und immer wieder kräftiges Herumtollen mit meinem Sohn. Das ist schon ein guter sportlicher Start.

Mit Beginn der wärmeren Witterung war es aber auch wieder Zeit den Drahtesel ans Tageslicht zu befördern. Und nach anfänglichen Unsicherheiten waren schon die ersten Versuche von Erfolg gekrönt. Letztes Wochenende bin ich mit dem Radl über 30 km vom burgenländischen Rust auf die ungarische Seite des Neusiedlersees geradelt, und abschliessend sogar noch 80 Minuten im Hallenbad von Eisenstadt geschwommen. Schön war das. Und voller Stolz war ich, als ich die (gering anmutende Steigung) am Weg vom See hinauf nach Fertörakos ohne Absteigen bezwungen habe. 141 kg müssen da erst mal mit Muskelkraft hinauf pedaliert werden.

Nach so einem Tag spürt man dann schon das Gesäß und ist irgendwie froh, daß das mit dem Stammbaumhalter schon abgeschlossen ist. Fühlen Frauen das eigentlich ähnlich ? Okay ich werds wohl nie nach vollziehen können.

Und gestern dann eine weitere Etappen entlang des Neusiedlersees. Diesmal war der Start in Neusiedl und durch die Pampas (ja, dort wo das Schilf den See von der Zivilisation trennt), ging es Richtung Museumsdorf in Mönchhof und zurück. Etwas über 40 km sind es diesmal geworden. Das Wetter war ja für Ostermontag eher schlecht angesagt und für zumindest 32 km hatten wir da echt Glück. Strahlender Sonnenschein und Eincremen war angesagt. Die letzten 8 km arteten dann zum Wolkenbruchradeln aus und das war wirklich ein grenzwertiges Erlebnis. Denn es war echt saukalt, nass und Sicht (ohne Scheibenwischer auf den Augengläsern) ging gegen Null. Aber irgendwie machte es total Spass. Und Angesichts dessen, daß in Neusiedl eine trockene Garnitur Wäsche und eine heiße Dusche bei Freunden wartete, war es schon irgendwie lustig.

 

Vom Sternzeichen bin ich Krebs. Also auch ein Wasserzeichen. Damit die geborene Wasserratte. Was nicht immer einfach ist, wenn man an die 175 kg wiegt und noch dazu eitel ist. Doch mit fremder Hilfe ist einiges möglich.

Mit Kontaktlinsen zum Bad

Mit Kontaktlinsen zum Bad

Dick sein ist schon mal ein schweres Schicksal. In der Kombination mit Eitelkeit aber ganz fatal. Auch blöd, wenn man sich Gedanken über die Befindlichkeiten der Mitmenschen macht. Insbesondere wenn es wirkt, als würden Sie einen anklotzen. Schon alleine das ist der Grund, warum ich die letzten Jahre meinen Lieblingssport, das Schwimmen, nicht wirklich ausgeübt habe. Wenn ich dann doch ins Wasser ging, dann war es an einem See bei absolutem Schlechtwetter oder vor- bzw nach Sonnenunter/aufgang, wenn noch niemand am Wasser war.

Jetzt sagen mir zwar viele wohlmeinende Menschen, daß es doch scheissegal sein, was die anderen denken. Aber so leicht ist das auch nicht. Mit Sicherheit bildet man sich auch einiges ein. Aber die paar Momente, die ich in meiner vollen 175 kg Pracht, bekleidet nur mit sowas ähnlichem wie einer Badehose am Weg zum Wasser bin, sind jedesmal ein Horror.

Das Hallenbad Köpfel hoch über Heidelberg

Auf meiner aktuellen Deutschlandreise war ich zu Gast bei einer lieben Freundin in Baden-Würtenberg, die auch seit längerer Zeit mit Ihrem Gewicht kämpft. Sie liebt schwimmen und hat mich ermutigt, gemeinsam ein Hallenbad aufzusuchen. Hoch über Heidelberg haben wir ein nettes Bad gefunden, wo mich garantiert keiner kennt. Da können sie schauen was sie wollen ! Ich war hocherfreut, als wir Samstagmorgen auf einen beinahe leeren Parkplatz stiessen und ein Blick durch die Fenster ins Bad ein leeres Becken offenbarte. Wie schön. Ich hab das Bad für mich allein. Das ist die Lösung aller Probleme.

Doch leider geirrt ! An Samstagen macht das Bad etwas später auf und so kehrten wir erst nach 90 Minuten wieder zurück. Der Parkplatz und das Pool waren derweil wohlgefüllt. Grmpffff !. Aber ich wagte den Schritt, fern der Heimat und offenbarte meinen Körer den Anwesenden. Die 25 Meter von der Umkleidekabine ins Schwimmbecken erschienen mir wie eine Ewigkeit aber irgendwann spürte ich dann doch, wie das verchlorte Wasser meinen ganzen Körper benetzte. Ab diesem Moment war alles gut. Sogar die anwesende Kindergruppe, die irgendwann entdeckte, dass ich von Unterwasser gesehen einen sehr lustigen Anblick biete und wie ein Convoy rechts und links von mir lachend daherschwommen, fand ich mehr amüsant denn lästig.

Als ich geduscht und wieder angezogen vor das Bad trat und auf meine Bekannte wartete, war das sicher einer der schönsten Momente, die mir 2010 bieten konnte. Ich war stolz auf mich. Sehr stolz. Und am nächsten Morgen war ich wieder am Berg. Im Bad über Heidelberg.