Mein Versuch, mich möglichst gesund zu ernähren beinhaltet natürlich vorderhand auch biologisch gewachsene Lebensmittel. Hier gibt es viele tolle Erzeuger, herausragende Persönlichkeiten aber leider auch viel Trittbrettfahrer.

Gestern abend ging ich beschwingt zur Eröffnung der neuen Sonnentor-Filiale in der Wiener Wollzeile. Wieder mal eine Gelegenheit über die Kärntner- und Rotenturmstrasse durch die Innenstadt zu bummeln. Bei letzterer Adresse komme ich natürlich nicht umhin einen kleinen Stopp beim Eis Greissler zu machen. Neben den Sorten aus dem neuen Lepantos für mich das beste Eis der Stadt.

Der Eis Greissler deklariert sich nicht als Bio-Eis, verwendet jedoch ausschliessliche Bio-Milch vom eigenen Hof in der Buckligen Welt (Region der Wiener Alpen in Niederösterreich, ca 70 km südlich der Hauptstadt) und zumeist regionales Obst, das meiste sogar vom eigenen Hof. Aber eben nicht alles Bio – und das wurde auch nie behauptet.

Umsomehr hat mich gestern ein kleines Outlet des benachbarten Eisriesen Zanoni & Zanoni überrascht. Der Eissalon, der nur wenige Meter vom Eisgreissler entfernt liegt und zur Sommerzeit im Sekundentakt die eishungrigen Massen versorgt hat nun vis-a-vis ein kleines Outlet mit dem angesagten Frozen Yoghurt geöffnet.

Und – da schau her – von weitem schon blitzt mir PUR BIO ins Auge. Da kommt ja Freude auf. Noch jemand, der die Zeichen der Zeit sieht und auf das richtige Pferd setzt. Dachte ich allerdings nur. Auf die Frage von wo denn das Joghurt herkommt konnte der Verkäufer – vielleicht auch mangels Sprachverständnis – nur auf den Automaten hinter sich zeigen.

Auf meine Frage, welche Bio-Toppings denn angeboten werden zeigte er auf die Tafel hinter sich: Da kann ich sie lesen – alle die “bio”-toppings: Nutella und Eierlikör stechen mir besonders hervor. Also wieder nix mit Bio bei den Toppings. Ich fühl mich verarscht, und im Gegensatz zu den wahrscheinlich meisten Konsumenten, merke ich es auch. Da kann es eigentlich nur eine Konsequenz geben: Ohne Konsumation runter zum Eis Greissler, denn da wollte ich ohnehin ein Eis holen.

Und zu meiner Freude gab es ein Eis der Sorte “Zotter weisse Schokolade”. Schmunzelnd erklärte mir die nette junge Verkäuferin noch, daß sie in der Schokolademanufaktur Zotter auf Betriebsausflug waren. Ist immer gut, wenn man weiss wo all die Sachen auch herkommen.

Und hiermit ist das neue Sonnentor Geschäft eröffnet. Das kann man sogar auf meinem schlechten Handybild erkennen!

Und hiermit ist das neue Sonnentor Geschäft eröffnet. Das kann man sogar auf meinem schlechten Handybild erkennen!

Witzigerweise hab ich Andrea und Georg Ploberger, Biobauern aus Krumbach und Betreiber der Eis Greisslerei später noch bei der Eröffnung des Sonnentor Shops getroffen. Und da musste ich fast genauso lachen wie Sonnentor-Gründer Hannes Gutmann es immer tut. Der übrigens gestern die selben roten Waldviertler Schuhe wie ich getragen hat.

Es waren wieder mal die heissesten Tage des Jahres und trotz aller Vorsätze schaffe ich es kaum einen Bogen um die Eisvitrine zu machen. Und die aktuell gehypte Alternative ist leider so gar nicht meines.

Die Zeit war schon reif, daß auch in Wien Alternativen zu den konventionellen Eissalons aufsperren. Der Trend zu den Joghurt Eismaschinen, der 2010 schon in einigen deutschen Metropolen auszumachen war, ist nun mit 2 Geschäften auch nach Wien gekommen. In der Nähe des Wiener Naschmarktes startete das Foxy und vor wenigen Wochen stiess in einer Seitengasse der Tuchlauben der Kurt mit seinen Frozen Yoghurts dazu.

In beiden Fällen handelt es sich nach Aussage der Betreiber um Bio-Joghurt aus der Region, daß ähnlich wie Softeis aus Automaten hinter dem Tresen heruntergelassen wird. Im Gegensatz zu konventionellem Speiseeis, daß auf Tonnen von Kalorien in cremigen Schlagobers/-sahne verpackt, setzt, ist Frozen Joghurt fettarm und enthält wenig Zucker. Das schmeckt man leider auch. Die einhellige Meinung der Erstverkoster war in den meisten Fällen: “zu wenig süss”.  Der eigentliche Geschmack, also der Kick, kommt dann durch die Toppings, das sind nach Wahl des Kundens Sirupe, frische Früchte oder Nüsse/Mandeln. Wenn man nun aber auf den intensiv fruchtig-süssen Geschmack kommen will, den man von konventionellen Saloneis gewöhnt ist, braucht es schon viel Sirup/Fruchtmark. Und da ist es dann mit dem Kalorienvorteil des Frozen Yoghurts bald wieder dahin.

Definitiv weit vorne haben die neuen Frozen Yoghurt Salons Ihre Nase in den Bereichen Nachhaltigkeit und Design. Die Geschäfte sind schön anzusehen (wenn man das bei den Schlangen an wartenden Menschen noch einblicken kann) und in Teilbereichen heften Sie sich das Attribut Bio auf die Fahnen. Zumindest das verwendete Joghurt soll diesen Status haben, bei den Früchten/Toppings erhielt ich widersprüchliche Aussagen der Verkaufskräfte. Besser allemal, als all die Aromastoffe, Stabilisatoren und Emulgatoren im konventionellen Speiseeis.

Aber nach meiner ersten Portion Frozen Yoghurt (es war Mango/Pfirsich mit einigen frischen Früchten und Nüssen) verstehe ich die Meinung meiner Kollegin Katrin: “Man ist dann froh, ein paar Ecken weiter beim Eisgreissler wieder richtig gutes Eis zu bekommen” (und das übrigens zum größten Teil in Bio-Qualität).