Logbuch 8.Juli 2013. Der erste Tag in meinem Leben ohne Essen. Fast 36 Stunden nur Wasser, Tee und Kaffee. Ab heute nenne ich sowas einen Nuller.

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Nach monatelangem hadern und zögern versuche ich es nun entgültig. Nein, ich versuche es nicht – ich mache es einfach. Mit dem heutigen Monat starte ich in das vom Kabarettisten & Psychologen Bernhard Ludwig initiierte Programm 10in2. Kurz zusammengefasst: Ab heute werde ich abwechselnd einen Tag nichts essen, jeden zweiten Tag wiederum essen was und soviel ich will. Das Buch dazu habe ich schon vor Monaten gelesen, für meinen Start habe ich es immer in meiner Nähe, aber nocheinmal nachlesen möchte ich nicht.

Schon den ersten Ratschlag befolge ich nicht: Es wird empfohlen, einen Umstiegstag zu machen. Am Tag vor dem ersten Nuller sollte man die Speisen extra lang kauen, bis sie eigentlich schon breiig von der Mundhöhle in den Magen sausen. Darauf pfeiff ich. Weiss nicht warum, aber wahrscheinlich bin ich einfach zu faul. Hoffentlich bin ich dann am ersten Nuller auch zu faul zum Essen.

Ich zweifle eigentlich nicht mehr an diesem Programm – zu viele Bekannte in meinem Umfeld praktizieren es höchst erfolgreich – sondern ich zweifle an meiner Disziplin. Bekomme ich doch schon Zustände wenn ich mal bis Mittag keinen Bissen zu mir nehme. Der Morgen ohne Frühstück ist noch halbwegs gegangen. Hab grad vor dem wegfahren noch ein großes Glas Wasser getrunken, aber auf alles andere gänzlich verzichtet. Mit dem Fahrrad in die Firma hab ich mich einmal in die Arbeit gestürzt. Erst Mittags, als die ersten Kollegen sich Essen holten und es im Büro nach köstlicher Nahrung roch, kam das erste Unwohlsein. Zwar gab es ein kleines Zwicken im Magen das mir wohl sagen wollte: “Hallo ich brauch was!”. Aber der eigentliche Mangel war offensichtlich in der Gewohnheit verankert. Es fehlte mir einfach, eine Pause zu machen und mal etwas anderes zu tun. Die klassischen 20 Minuten mittags waren weg. Und das fühlte sich für ungefähr 90 Minuten wirklich nicht gut an. Die Gedanken kreisten nur um das eine Thema. Meine Frau meinte: “Es ist heiss, du fährst mit dem Fahrrad – ist das nicht zu viel?” Wenn es mir schlecht ginge, solle ich gleich einen Apfel oder so essen. Wann ist der Zeitpunkt, wenn es mir schlecht geht? Wenn ich das Gefühl habe, ich würde jetzt gerne was essen oder wenn ich körperliche Beschwerden habe?

Körperliche Beschwerden gab es gar keine. Nur das Unbehagen, daß ich gewöhnliche Abläufe nicht einhalte. Gegen 15 Uhr war das vorbei. In der Zwischenzeit hatte ich über einen Liter Wasser und eine große Kanne Tee getrunken. Das änderte sich auch nicht mehr. Über die sozialen Netzwerke erfuhr ich durch Austausch, daß noch mehr Bekannte bereits 10in2 praktizieren und immer mehr Erfolgserlebnisse werden mir zugetragen. Nicht nur was Abnehmen betrifft. Gesundheit und Wohlbefinden im Allgemeinen.

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Abends moderierte ich eine Quizveranstaltung und auch dort outeten sich 2 Gefährten zu diesem Ernährungsprogramm. Ich war immer mehr erstaunt, wieviele Menschen das praktizieren. Nicht umsonst ist das Buch von Bernhard Ludwig schon seit Monaten im Spitzenbereich der Sachbuchverkaufslisten. Während hier neben mir ein Burger nach dem anderen gegessen wird, und die Kellner Bier und Potatoe Wegdes im Akkord an mir vorbeitragen, bleibe ich gelassen und nuckel an meinem Mineralwasser. Bekannte berichten mir von enormen Kopfschmerzen, die sie an den ersten Nuller Tagen hatten – ich merke nichts!

Ohne einen einzigen Bissen fester Nahrung setze ich mich spätnachts auf mein Fahrrad und kurbel heim. 20 km waren es diesen Montag und es hatte zumeist um die 28°C. Trotzdem fehlt mir nachts, als ich ins Bett falle nichts. Ich vergesse sogar aufs Zähneputzen. Wozu sollte man auch Zähneputzen nach 26 Stunden “auf Wasser”. Ich werde gerügt und putze trotzdem. Eh klar.

Am nächsten Morgen habe ich nicht einmal Heisshunger. Das Frühstück (also großer Kaffee und üppige Portion Porridge mit Früchten) geniesse ich sichtlich. Meinen Vorsatz, daß Haus nicht ohne morgendlicher erfolgreicher Sitzung am Topf zu verlassen, kann ich heute auch vergessen. Wo nix ist, kann auch nix kommen. Gut so! Ich radle in die Firma und esse einen Tag wieder ganz gewöhnlich. Nicht mehr oder nicht weniger als früher auch.

Und ich bin schon irgendwie stolz: Fast 36 h waren das ohne Essen an meinem ersten Nuller. Es war leichter als ich dachte.

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