Die in Wien aufgewachsene Sarah Wiener zählt mittlerweile zu den bekanntesten Köchinnen im deutschen Sprachraum. Von Null auf Hundert wurde Sie ohne nennenswerte Ausbildung von der kleinen Filmcatererin zur Chefin einer Gastronomie- und Cateringkette und beliebten Fernsehköchin. Wenn Sie ein neues Buch präsentiert, wird das demnach zum Medienereignis.

Und ich durfte auf der Seite der Medien an diesem Termin teilnehmen. Da reist ein Stab aus Verlagsmenschen, Kochmitarbeitern und Visagisten im Tagestakt durch deutschsprachige Großstädte und bewirbt den neuesten großformatigen Ausstoss, ein Buch namens “Herdhelden”. Sarah Wiener an der Spitze dieses Trosses weiss mit Menschen umzugehen, insbesondere mit denen der Presse. Sie schüttelt jedem der anwesenden Gäste, Journalisten und Fotografen persönlich die Hand, spendet ein paar freundliche Worte und präsentiert begleitet von kulinarischen Köstlichkeiten aus den Töpfen eines mitgereisten Mitarbeiters sehr sympathisch Ihr Buch.

Es soll ein sehr persönliches österreichisches Kochbuch sein. Die Rezepte, die Sie hier gesammelt hat, sind nicht Ihre eigenen. Sie stellt traditionelles und neues vor, das Ihr auf den TV-Reisen durch Ihre ehemalige Heimat aufgefallen ist. Gerichte von Köchen und -innen, die Sie eben “Herdhelden” nennt. Das Buch ist auch sehr schön aufgemacht, die Rezepte sind interessant und es regt an, vieles nachzukochen. Noch lieber hätte ich zu jedem Gericht ein Foto des jeweiligen Herdhelden gesehen, um mir den Ursprung besser vorstellen zu können. Stattdessen auf jeder Seite ein neues Bild von Sarah Wiener.

Damit hab ich aber eigentlich auch kein Problem. Denn ich mag die Frau. Ich finde Sie sympathisch und auch hübsch. Und mit diesen Voraussetzungen in ein Interview zu gehen, mag ich gar nicht. Der Verlag hat mir vorab 10 Minuten der kostbaren Zeit von Sarah Wiener zugesichert um ein persönliches Gespräch zu führen. Viele kulinarische Themen stehen wieder in unserem Magazin Biorama an und zu jedem wollte ich ein Statement. Das könnte eng werden, dachte ich.

Aber es kamm alles anders. Wir hatten ein derart nettes Gespräch im Keller des innenstädtischen Wohnstudios von Team7. Während die anderen Journalisten ebenerdig auf Ihren Termin warteten, wurde unser Gespräch immer länger und länger. Aus einer etwas (meinerseitig) nervösen Interviewsituation wurde eine sympathische gegenseitige Konversation von beinahe 40 Minuten: Zu allen relevanten Punkten hatte ich tolle Statements, Sie erläuterte eindrücklich Ihren Zugang zur Nachhaltigkeit in der Küche und strich Ihre Rolle als Biobotschafterin heraus. Schlussendlich konnte ich Sie noch für die Schirmherrschaft einer meiner zukünftigen Projekte interessieren. Und das freute mich besonders.

“Kochen ist der einfachste Weg, Liebe zu geben und zu bekommen” sagte Sarah, und reichte mir selbstgemachte Salzstangerln mit Verhackertem.

 

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