Das ich nicht der einzige bin, der Angst vor dem Zahnarzt hat, war mir schon klar. Dass es dagegen aber schon ein paar gute Lösungsansätze gibt, war mir bis vor kurzem nicht bewusst.

Ich geh nur äusserst ungern zum Zahnarzt. Nicht nur die Angst vor Schmerzen, sondern vor allem mein Hang dazu, sofort zu recken, wenn sich ein Fremdkörper in meinem Mundraum und Rachen bewegt hält mich immer wieder davon ab, einen Zahnarzt zu besuchen. Und schon seit Jahren habe ich meinen nächsten Zahnarztbesuch vor mich hergeschoben. Dabei wäre es schon höchste Zeit gewesen. Einmal ist da ein Eck weggebrochen, dann spüre ich wieder dort einen Schmerz. Immer ist irgendwas. Und immer bekomme ich totale Panik, wenn ich daran dachte, zum Zahnarzt zu müssen.

Ende November war es aber dann soweit: Ich wollte es nicht mehr länger hinauszögern und ich bin fest entschlossen gewesen, auch diese Baustelle zu erledigen. Aber in der Zahnklinik Margareten bin ich schon am Röntgen gescheitert. Das Panoramaröntgen funktioniert gut, aber bei den Einzelbildern, wo man eine kleine Platte weit nach hinten in den Mundraum halten muss, kam schon wieder das unsägliche Recken. Die Ärztin wollte dann einen der kaputten Zähne mal ohne Röntgen ansehen, da war es allerdings schon um mich geschehen. Kaum kam irgendein Werkzeug in den Mund musste ich recken. Frau Doktor entschied auf “nicht behandelbar” und hat mir eine Zahnbehandlung in Vollnarkose empfohlen, die von manchen Ordinationen angeboten wird.

Mein Gebiss Vorher / Nachher. Unten fehlen bereits die 4 Weisheitszähne, dafür ist das Implantat deutlich zu erkennen

Mein Gebiss Vorher / Nachher. Unten fehlen bereits die 4 Weisheitszähne, dafür ist das Implantat deutlich zu erkennen

Schon kurz später hatte ich ein Erstgespräch in einer neuen Ordination am südlichen Stadtrand. Sehr angenehme Atmosphäre, sehr nettes Personal in allen Bereichen und die modernsten Geräte. Aber wird es diesmal mit dem Röntgen funktionieren?

Mit ein paar Tricks und schnellen Griffen haben die Damen nun dort sogar die Kleinteiligen Bilder von den Backenzähnen hinbekommen, ich war total stolz. Frau Doktor hat sich dann mein komplettes Gebiss angesehen und alle Einzelbaustellen dieses Großprojektes notiert. Gemeinsam mit einer Beratung über eine mögliche Operation in Vollnarkose habe ich dann einen Heilkostenplan erhalten, der sämtliche Positionen, die dann in einer Sitzung erledigt werden enthalten hat. Das so eine Vollnarkose nicht ganz billig sein wird, damit hatte ich gerechnet. Ich habe von Bekannten einige Details schon gehört, hab mich auch schon daran gewöhnt, daß ich etwa 1000 € von meinem bitter ersparten opfern musste, aber die tatsächliche Summe hat mich dann vom Zahnarztstuhl geschleudert:

Alle 4 Weisheitszähne raus (das macht man halt gleich mit, wenn man schon mal betäubt ist), ein Implantat, 12 neue Füllungen und eine Wurzelbehandlung. Insgesamt um wohlfeile € 5.500. Also quasi ein halbes Auto oder 3-4 Nettomonatsgehälter. Nicht wenig. Ich bekam natürlich Bedenkzeit, habe mich aber sehr schnell entschlossen, diesen Eingriff unter Vollnarkose durchführen zu lassen. Es folgten in Wochenabständen Zahnhygienetermine und ein Vorgespräch mit dem Anästhesisten, der ob meines Gewichtes doch ein paar Einschränkungen bei der OP vorhergesagt hatte, sich aber dann bereiterklärt hat, diesen Eingriff zu begleiten.

Zwischen einem möglichen Termin 3 Tage vor dem Heiligen Abend und dem 18.Jänner 2019 habe ich mich dann für zweiteres entschieden. Möglicherweise verdanke ich es auch den aktuellen Medikamenten, die mir gegen meine Panikattacken helfen, daß ich die Zeit davor beinahe völlig ohne Angst vor dieser Operation verbracht habe.

Eine Stunde nach der Operation

Eine Stunde nach der Operation

Der Eingriff startete an diesem Freitag dann bereits um 7.00 Uhr morgens. Ich wurde ambulant in der Ordination mittels dem “richtig gutem Zeug” (Originalzitat der Zahnärztin) über eine Infusion in der rechten Hand in einen langen Schlaf geschickt. Nach 3,5 Stunden OP wurde ich zurückgeholt und in ein für solche Fälle in der Ordination bereitgestelltes Bett begleitet. Dort habe ich noch etwa eine Stunde gedöst und bin dann langsam endgültig von der Narkose erwacht. Zu dem Zeitpunkt war auch schon eine Begleitung da, die man verpflichtend dabei haben muss, wenn man nach so einem Eingriff nach Hause geht.

Leider hat man mich nicht informiert, daß man sich nun für ein paar Wochen nicht schnäuzen durfte. Denn bereits kurz nach der Aufwschphase habe ich mich schnäuzen müssen: Es gab ein komisches Gefühl in der Nase, weil ich ja über diesen Bereich während der OP mit einem Schlauch beatmet wurde. Allerdings habe ich beim Schnäuzen offensichtlich über die offene Kieferhöhle Luft inhaliert, die sich plötzlich über meine linke Gesichtshälfte verteilte und zwischen Fleisch und Haut festgesessen ist. Man konnte bei leichtem Druck sogar das Knistern spüren und hören. Der schnell herbeigerufene Arzt hat aber alsbald gemeint, daß diese Luft schon innerhalb der nächsten 24 Stunden resorbiert und die dadurch entstandene Schwellung wohl nach 2-3 Tagen durch die eigentlich entstehende Schwellung abgelöst wird.

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Am Heimweg mit dem Taxi

Schmerzen hatte ich durch das “Gute Zeug” eigentlich fast keine. In den nächsten Tagen musste ich ja recht intensiv Antibiotika und Schmerzmittel nehmen. Von den Schmerzmittel bin ich erst nach 2 Wochen weggekommen, die Wundheilung verlief durch diverse Speisereste, die in den 5 großen Wunden immer wieder hängengeblieben sind nicht ideal. Nach 14 Tagen hatte ich dann trotz Schmerzen auf anraten des operierenden Professors die Schmerzmittel abgesetzt und man glaubt es nicht: In dem Moment waren die Schmerzen dann auch weg.

Ich bin sehr stolz auf mich, daß ich das alles durchgehalten hab und meine Angst nicht die notwendigen Taten besiegt hat. Die Kosten der OP und des Implantats reduzieren zwar die Urlaubspläne 2019 eher auf eine schöne Zeit in Balkonien, aber das war es mir wert. Und allen Zahnarztfeiglingen kann ich so einen Eingriff nur empfehlen.

Und abgenommen habe ich auch noch: Alleine die 5 gerissenen Zähne haben sich mit minus 20 dag auf der Waage ausgewirkt und dann noch ein paar Kilos, weil ich mich über einige Tage nur von Suppe und pürierten ernährt habe.