Heute habe ich einen längeren Spaziergang durch das Grün unseres Bezirkes gemacht. Es galt emotionale Katastrophen zu verarbeiten, Gedanken zu sortieren und neue Kraft zu sammeln. Das war anfänglich nicht leicht, das sonnig warme, aber windige Herbstwetter konnte meine traurige Stimmung anfänglich nicht aufheitern. Dann aber, gegen Ende meiner Tour bin ich in der Bio-Konditorei Hanauer in Rodaun gelandet. Ich wollte kurz ruhen und mir einen Kaffee mit ein paar Petit Four gönnen um meine Seele zu streicheln.

hanauer

Der Hanauer ist bekannt für seine Petit Four, er soll mit seinen Spezialitäten die gesamte Spitzenhotellerie in Wien beliefern, sagt man. Und er hat dort neben der Bio-Konditorei auch seine Tortenmanufaktur. Es gibt auch ein kleines Schokoladenkino, wo es immer wieder Vorführungen gibt. An diesem Standort war ja früher einmal sogar das Rodauner Kino. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich bin halt irgendwie im Kopf dann beim Thema Schokolade hängengeblieben. Wenn man mit rundlicheren Damen spricht, so offenbaren sie ja sehr oft und schnell eine Leidenschaft für Schokolade. “Wenn nur nicht die Schokolade wär!” sagen sie zu mir. “Dann wäre das Abnehmen viel leichter”. So ist der oder das Schuldige also gleich verortet. Die Schokolade ist also schuld an vielen Speckröllchen und Doppelkinnen. So hört man es also vor allem von den Damen. Manchmal auch Mehlspeisen, Torten aber zumeist wird der Schokolade die Schuld zugeschoben.

Wie ist das aber eigentlich bei Männern? Der Teil der Menschheit hat ebensolche Gewichtsprobleme wie die Damen, aber reden sie darüber? Haben sie schon einmal einen Mann jammern gehört, daß er zuviel wiegt? Und was daran schuld sein mag? Ich nur sehr selten, wenn überhaupt. Eigentlich kenne ich das höchstens von mir selber. Und ich rede nicht, ich schreibe. Nämlich hier.

Und in der Medienwelt ist das doch genauso. In wievielen Filmen ist es Thema bei Konversationen von Damen, ob sie sich das eine oder andere Stück Kuchen noch gönnen mögen. Oder mit welcher Diät sie im Moment versuchen, ihr Gewicht in den Griff zu bekommen. Überall hört man das. Von der Lindenstrasse über Dorf Ilm bis Stars Hollow. Aber Männer? Ich bin in einigen Foren unterwegs, wo auch Männer zu diesem Thema Wort ergreifen. Aber nicht viele. In Funk und Fernsehen wird dieses Thema auch 1:1 abgebildet. Männer sprechen nicht übers Abnehmen oder Dicksein. (Ausser Asterix und Obelix – Wir wissen: Die Wildschweine sind das Problem für den üppigen Mann mit der blau-weiss-gestreiften Gallierhose.)

Ich hab wirklich viel nachgedacht. Über Filme. Über Serien. Das Thema dick/mollig sein und abnehmen ist schon sehr geschlechtsspezifisch dominiert.

 

 

Nicht alles läuft so positiv, wie Mann sich das zur Zeit gerade vorstellen könnte. Trotzdem gibt es auch genug Gründe, den Kopf nicht hängen zu lassen. Man darf ja dann auch einmal ein bisserl stolz sein. In meinem Fall bin ich gerade mächtig stolz, meine gefassten Vorsätze mit gestrigen Abend schon für genau 3 Wochen eingehalten zu haben.

Seit Februar dieses Jahres – genuagenommen zu dem Zeitpunkt als ich begonnen habe Blutdrucksenkende Medikamente zu nehmen – habe ich mal 25 kg abgespeckt. Allerdings eher im Zeitraum von Februar bis Mai. Danach ist das Gewicht konstant geblieben und ich habe mich wieder etwas hängen lassen. Den Schlendrian einziehen lassen, wie man auf gut Wienerisch sagt. Okay, man kann sagen: Urlaub, Ferien etc. Das sind sowieso Ausnahmen.

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Im Essbaren Tiergarten in der Schokoladenmanufaktur Zotter

Mit dem Schlendrian waren auch allerlei gesundheitliche Probleme zurückgekehrt, der Hypochonder in mir tat das seinige. Klingt vielleicht jetzt lustig formuliert, aber so lustig waren diese Panikattacken nicht. Ich habe meine Ziele über die Jahre nicht aus den Augen verloren, aber mittlerweile auch gelernt mit Rückschlägen umzugehen. Was es immer wieder braucht: aus dem negativen dann auch positive Elemente zu ziehen und neue Kraft und vor allem Motivation zu schöpfen.

Micky_Drosendorf

Recht fröhlich am sommerlichen Schreibworkshop im Schloss Rosendorf

Gerade eben gelingt mir das. Der größte Vorsatz: Wieder auf Alkohol verzichten. 3 Wochen Check! Keine der regelmäßigen Sportprogramme auslassen. 3 Wochen Check! Das Leben etwas ruhiger gestalten um wieder entspannter schlafen zu können. 3 Wochen Check! Nicht soviel grübeln und nachdenken …. okay, an diesem Punkt muss ich noch arbeiten.