Meine lieben Leser und Leserinnen,

in der letzten Woche habe ich sehr viel Post und mails bzw Kommentare in den diversen Foren bekommen. Fast alles hat sich mit dem TV Bericht beschäftigt, der am vergangenen Samstag im österreichischen Fernsehen ausgestrahlt wurde.

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“Minus 70 kg in 2 Jahren”, so wurde der Beitrag im Rahmen der Reihe BEWUSST GESUND auf ORF1 angekündigt, und selbst ich wurde erst durch einen Anruf meiner Schwester darauf aufmerksam, die eine Ankündigung in einer Tageszeitung gelesen hatte. Vorab möchte ich mich natürlich bei euch für die vielen Glückwünsche, die Motivation und all das Feedback bedanken, das ihr mir gesandt habt, aber:

Immer wenn ein “aber” da steht, da kommt dann doch noch was? Ja genau. In der Sendung wurde berichtet, wie ich von über 200 kg etwa 70 kg abgenommen habe, und das noch dazu in 2 Jahren. Gut, das wäre Grund genug zu gratulieren. Ich habe allerdings nicht mehr 140 kg, wie die Waage zum Zeitpunkt der Aufnahme angezeigt hat. Nein ich habe mittlerweile wieder etwa 170 kg. Und das nicht etwa seit letztem Samstag, also seit dem Fernsehbericht zugenommen. Nein. Dieser Fernsehbeitrag ist schon in etwa 6 Jahre alt.

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Er wurde (wie so vieles, ich denke nur an meinen geliebten TATORT) im Sommerloch einfach wiederholt. Scheinbar ist aber sowohl meine Mode als auch meine Frisur so zeitlos, daß das fast niemanden aufgefallen ist. Sogar Menschen, die mich 3 Wochen vorher noch LIVE gesehen haben, dachten, daß wären aktuelle Aufnahmen.

Also: Mein Gewicht ist leider nachwievor noch der König der Jo-Jo-Autobahn. Rauf/Runter – Rauf/Runter. Mit zunehmenden Alter wird das Runter immer langwieriger und das Rauf fällt immer leichter. Spass beiseite: Ich bin nachwievor dran. Wenn man einmal an Adipositas Magna leidet, dann ist das kein Kinderspiel, das man nach 2 Jahren abschüttelt. Nein. Im Gegenteil.

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Das Buch MICKY HALBIERT SICH wird demnächst trotzdem erscheinen. Aber anders als vielleicht etwa vor 9 Jahren gedacht, als dieses Projekt begonnen hat, wird es keine Erfolgsgeschichte. Aber es wird eine gute Geschichte. Eine ehrliche. Bleibt dran!

Als dicker Mensch transpiriert man natürlich etwas stärker. Und das schon bei den einfachsten Tätigkeiten. Natürlich ist das aber nicht verwunderlich:

Morgens, bevor ich das Haus in Richtung Büro verlasse, dusche ich einmal sehr intensiv. Ich liebe das Gefühl, wenn warmes Wasser meinen Körper hinabströmt und all den Schmutz und den Schweiss wegwäscht. Das Duschen ist beinahe eine Zeremonie und wenn ich danach im Bademantel zum Frühstückstisch wandle, dann fühle ich mich so richtig wohl und in den meisten Fällen auch putzmunter.

Die Frische hält aber leider nicht wirklich lange an. Knapp eine halbe Stunde später, am Weg zur S-Bahn, laufen schon wieder die ersten Schweissbäche meinen Nacken entlang. Nun sei aber gesagt: Weder muss ich einen steilen Bergsteig bis zur S-Bahn hinaufkraxeln, noch trabe ich den Weg im gestressten Schweinsgalopp bis zum Bahnhof. Auch habe ich selten sehr viel zum Schleppen, keine Koffer oder zusätzliche Rucksäcke oder Taschen. Und trotzdem schwitze ich. Pardon, auf gut wienerisch gesagt schwitze ich „wie Sau“.

Der Weg sind sagen wir mal etwas 700 flachgehaltene Meter bis zum Bahnhof Liesing und für die beiden Steigungen beidseits der Fussgängerbrücke nehme ich zumeist den Aufzug. Nicht nur ob des Schwitzens, auch wegen meiner Knie, die besonders beim Stiegensteigen auf Belastungen anfällig und schmerzempfindlich sind. Trotzddem stehe ich zumeist schweissgebadet am Bahnhof und setze mich abgehetzt in den nächsten Zug Richtung  City. Das ist dann auch oft eher unangenehm. Ich hab da nämlich schon einen sogenannten „Genierer“, wie der Wiener zu sagen pflegt. Wenn ich dann frühmorgens in der Schnellbahn vis a vis oder neben anderen Passagieren sitze und mir rinnen die Bäche vom Gesicht über den Nacken den Körper hinab, dann fühlt sich das für mich einfach nur peinlich an. Zumeist schliesse ich die Augen, denke mich in andere Sphären und warte, bis die innere Erhitzung und damit das heftige Schwitzen nachlässt. Das ist dann zumeist kurz bevor ich am Hauptbahnhof wieder aussteige.

Besonders unangenehm ist es an kühleren Frühlings- oder Herbsttagen.  Anders als im Hochsommer, wo quasi ohnehin jeder wie wild schwitzt, sitze ich dann in der Übergangszeit in so einem Winkerl in der Schnellbahn und ausgerechnet nur um mich herum laufen die Fenster der Garnitur an. Oh bitte, wie gerne würde ich dann unsichtbar sein oder mich wegbeamen können.

Mit dabei habe ich übrigens zwei Accessoires, die für den Schwitzer von Welt unabdingbar sind: Ein Schweissband und meinen Tschuri-Fetzen. Während die Gedanken des Lesers oder gar der Leserin nun wohl schon um den zweien Begriff kreisen, möchte ich noch kurz den ersteren vertiefen. In den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts war ich ein begeisterter Tennisspieler. In diesem Sport gehören Schweissbänder an Arm und Stirn zur Grundausstattug neben Schläger und Ball. Voll praktisch – der Stoff, ein Gemisch aus Baumwoll und Lycra, saugte den Schweiss auf und mit einem kurzen Wisch mit dem Arm über die Stirn oder den Nacken war der Schweissbach gebremst. Nun aber der Tschuri-Fetzen, mein täglicher Begleiter für den größeren Schweissausbruch. Genaugenommen ist der Tschuri-Fetzen ein Minihandtuch in den Abmessungen von maximal 30 x 20 cm. Also die kleinste Frottee-Variante, die man im schwedischen Möbelhaus bekommen kann. Und recht einfach in die Hosenseitentasche, die Jackentasche oder die Umhängetasche zu verstauen. Den Tschuri-Fetzen nutze ich zum Beispiel, wenn ich morgens nach dem schweisstreibenden 700 Metern zum Bahnhof in die Schnellbahn steige. Oder kurz vor der Tür, bevor ich morgens das Büro betrete.

Der Tschuri-Fetzen soll also klein und unauffällig sein  und ich versuche, ihn immer möglichst unauffällig zu nutzen, denn natürlich ist mir diese Prozedur unangenehm. Da hilft auch der witzige Namen des Mini-Handtuches nicht. Dieser hat schon oft zu Schmunzlern geführt, obgleich nur wenige wohl den Song des Austropoppers Georg Danzer kennen, aus dem ich mir diesen Begriff entliehen habe.

„Sie wern jetzt fragn: Was is a Tschurifetzen?
Also, ohne ihr Gefühl zu verletzen
des is a Tüachl, bitte sehr
was man nimmt nach dem Geschlechtsverkehr
Man sollt es also nicht benutzen
zum Schuhe- oder Fensterputzen”

(Georg Danzer, „Die Ballade vom verlorenen Tschurifetzen”)

 

Unsere Freunde im benachbarten Deutschland haben ob dieses fehlenden Wortes den Begriff Intimpflegetuch in Verwendung. Soweit also zu meinem Schweissgebrauchsgegenstand. Ein Ding, das natürlich auch im Umgang große Sorgfalt erfordert, denn natürlich können diese Dinger – sowohl Schweissband als auch Tschurifetzen – leicht ins Unhygienische kippen oder kurzum zu stinken beginnen. Im Idealfall wechsle ich also beides etwa zweimal am Tag.

Warum aber jetzt das viele Schwitzen. Generell bemerke ich, dass Schwitzen besonders bei steigendem Gewicht, also beim Zunehmen ein Problem wird. In Phasen des Abnehmens wird das Schwitzen weniger. Seit Anfang 2018 muss ich auch – vor allem um den Blutdruck zu senken – regelmäßig Medikamente nehmen. Da ich das nicht gleich von Anfang an gut vertragen habe, wurde mit der Mixtur immer wieder etwas geändert. Und jedes Mal, wenn sich mein Körper auf eine neue Mischung einstellen musste, hab ich für mehrere Tage auch extrem geschwitzt. Wo ich auch leicht zum Schwitzen beginne, ist bei langem Stehen. Aus dem Grund bin ich immer ungemein ungern zu Veranstaltungen oder Empfängen gegangen, die als reine Stehpartie organisiert war.

 

Eine durchaus unangenehmer und vor allem auch ungesunder Mix ist das verstärkte Schwitzen trotz eisiger Kälte draussen. Also auch wenn es im Freien Minusgrade hat und ich dementsprechend warm angezogen bin, passiert es leicht, dass ich unter all den Bekleidungsschichten schwitze. Oft sogar stark schwitze. Zu diesem Zweck habe ich zum Beispiel im Büro eine zweite Garnitur frisches Unterleibchen und Poloshirt liegen. Wenn ich also im Winter unterisch etwas nässer ankomme, kann ich mich kurz umkleiden. Denn wenn ich das feuchte Gewand anlasse und es zieht – und mit Verlaub – an meinem Arbeitsplatz zieht es gewaltig, ist eine Verkühlung schneller da als befürchtet. Aber warum schwitze ich so besonders stark?

 

Gehen wir davon aus, dass ein durchschnittlicher Mann etwas zwischen 80 und 90 Kilogramm auf die Waage bringt. Da habe ich in den letzten 10 Jahren zumeist etwa das doppelte gehabt. Wenn wir zum Beispiel nur einmal mein Gewicht von 160 kg rechnen würden, wäre das noch immer eine Differenz von mindestens 70 kg. Das ist nicht wenig. Haben sie sich schon einmal vorgestellt, wie viel das wirklich ist?

Nehmen sie einmal die üblichen 6er-Packungen von großen 1,5 lt PET-Mineralwasserflaschen. Ein solcher wiegt also mindestens 9 kg. Das heisst also, dass ich quasi genauso belastet durch die Gegend latsche, wie ein normalgewichtiger Mann mit über 7 von diesen Mineralwassergroßpackungen. Und dieses Gewicht trage ich den ganzen Tag mit mir. Das stemme ich schon am Morgen, wenn ich von der Bettkante aufstehe, mit diesem zusätzlichen Gewicht stelle ich mich unter die Dusche und marschiere den Weg zur Schnellbahn! Wenn man da nicht zum schwitzen anfängt? Na ich weiss nicht!