In den letzten Jahren hatte ich viel extrem blöde Werbung am Radar. Was ich aber heute gesehen habe, ist im Ranking ganz oben. Dr.Oetker macht Werbung für Frustessen.

IMG_1416

Es ist momentan nicht gerade die einfachste Zeit für mich. Viele Sorgen, viele Ängste beschäftigen mich dieser Tage. Und es ist nicht immer einfach, alte Verhaltensmuster zu vermeiden. Zwar bin ich zumindest mit den aktuell abgeworfenen 22 kg seit Jahresbeginn recht zufrieden, aber immer wieder bin ich verleitet zu

-Belohungsriten (“Ah nach dem schweren Tag hab ich mir schon ein Bier verdient”)

-Frustessen (“Ah, auch schon egal. Das Schnitzel muss schon sein”

– Enttäuschungsessen/trinken (“Wenigstens an dem Gin Tonic kann ich mich noch erfreuen”)

Zigtausende Psychotherapeuten verdienen weltweit kein schlechtes Geld, diese Riten aus den Köpfen ihrer Klienten zu bringen, gerne denke ich dann immer wieder auch an den Spruch:

IMG_1442

Und dann sehe ich ausgerechnet heute am Heimweg eine Werbung für eine Fertigtiefkühlpizza von Dr.Oetker. Unglaublich, was sich hinter dieser Botschaft versteckt:

IMG_1542

“Liebeskummer? Kein Problem – Friss eine Industriepizza von uns und alle Sorgen sind weg!”

Das ist das erste Mal, dass ich Werbung für Frustessen gesehen habe. Da schiesst mir sofort in den Kopf: Worin wurde der Herr Oetker denn eigentlich Doktor? (Wird dem unbeholfenen Konsumenten da vielleicht seit Jahren eingeredet, es handelt sich um eine medizinisch wertvolle Pizza: “Is eh vom Dokta”)

Egal, diese Art von Werbung finde ich einfach beschissen, denn Essen kann keine Lösung für unangenehme Gefühle sein. Weder Industriepizza noch Schokolade. Und an mich persönlich: Alkohol schon gar nicht.

Da fällt mir ein, daß es ja unter Dr.Oetkers Fittichen auch noch den größten deutschen Braukonzern – nämlich die Radeberger Gruppe – gibt. Da könnte man ja die Werbelinie gleich ausweiten:

TAKE AWAY THE ALLTAGSSORGEN – SAUF 10 RADEBERGER PILS

 

 

Seit einigen Jahren nehme ich mit unserem Redaktionsteam an der Aktion “Österreich Radelt zur Arbeit” teil. Feine Sache, die motivieren soll, öfters auf zwei Rädern in den Job zu kommen. Dieses Jahr haben wir uns für die eBike-Challenge beworben – und sind genommen worden:

Den ganzen Mai über läuft diese Aktion, bei der man an seinem Arbeitsplatz Teams bilden kann. Unser Team – die BioramaRadla – ist wohl zum etwa fünften oder sechsten Mal in Folge am Start, im Jahr 2018 erstmals mit eBikes. Österreichweit werden von den Veranstaltern nur einige wenige Teams ausgewählt, die in diesem Monat mit eBikes ausgestattet werden und gegen die anderen Teams in der Challenge wertvolle Kilometer runterstrampeln.

2018-03_RadeltZurArbeit

Zwei von uns vieren aus dem BioramaRadla-Team fahren auch normalerweise öfters mit dem Fahrrad in die Arbeit, zwei weitere konnten wir durch diese Aktion zumindest für das eine Monat motivieren. Als wir dann die Zusage erhielten, daß ob unserer Inputs das Team BioramaRadla für die eBike-Challenge ausgewählt wurde, war die Freude sehr groß. Bei mir etwas weniger. Denn mir wurde das Schwerlastenfahrrad zugeteilt, nicht ganz ohne Grund: Normale Fahrräder – auch eBikes – sind normal bis zu 130 kg belastbar, dazu zählt aber auch schon das Eigengewicht des Rades, dh man muss davon schon mal gute 20 kg abziehen. Aus diesem Grund fahre ich ja privat ein Kalkhoff XXL Fahrrad, das bis zu 180 kg (inkl dessen Eigengewicht) trägt. Es hat kräftigere Verstrebungen, einen robusteren Sattel und natürlich auch Speichen aus einem belastbareren Material – damit bin ich die letzten beiden Jahre gut gefahren. Nun hab ich für “Österreich radelt zur Arbeit” das Riese & Müller Packster 40 erhalten. Und ich muss gestehen: Bevor ich es mir abgeholt habe, hat es mir eher Angst gemacht!

IMG_1421

Wo soll ich das Teil denn abstellen? Wie soll ich es absperren? Haltet es mich aus? Ist es für mich manövrierbar? Antwort: Es war schon nach wenigen Metern sehr sehr super zu fahren. Die elektrische Unterstützung, die man bergauf oder bei entsprechenden Lasten dazuschlagen kann, funktioniert einwandfrei und war bereits nach wenigen 100 Metern auf der Wilhelmstrasse eine wertvolle Unterstützung.

IMG_1436

 

Es gibt ein paar Schwierigkeiten: Freihändig fahren geht gar nicht, Handzeichen zum Abbiegen erfordern Mut und Geschick, werden aber bereits an Tag 2 fast zur Routine. Während ich mit dem normalen Fahrrad täglich die allerkürzeste und einfachste Route fahre, beginne ich heute (am Tag 2) bereits mit Experimenten. Routen, die ich ob ihrer Steigung oder als Umweg betrachtet, gemieden habe, werden nun ausgetestet. Mit der elektronischen Unterstützung ist das ja einfacher, nichtmal Gegenwind kann mich nunmehr erschüttern.

Ich freue mich schon auf den ersten Grosseinkauf. Das wird einfacher denn zuvor. Wie das in den nächsten 30 Tagen weiterläuft, darüber halte ich euch hier am laufenden.