17 Jahre ist es nun her, daß ich zuletzt auf den Skiern gestanden bin. Am 5.Jänner 1999 mit etwas weniger Speck um die Hüften, besserer Kondition und einer Materialwahl, die es heute offensichtlich gar nicht mehr gibt. Schifahren 2013 – ein Revival!

Eigentlich wollte ich in den Weihnachtsferien mit meinem Sohn in den Schnee. Zuviel Windpocken an seinem Körper und zuwenig Schnee in den Bergen vermasselten aber unseren ersten Schiversuch nach Jahrzehnten. An diesem Wochenende (diesmal ohne Junior) konnte ich es nachholen. Und es war ein Erlebnis einer neuen Art.

Im Vorfeld versuchte ich bereits Schibekleidung für meine gut 140 kg zu bekommen. Oder zumindest etwas wetterfestes. Denkste! Keine Chance. Es gab wohl ein paar wenige ausgesuchte Exponate, die über internationale Webshops zu erwerben gewesen wären, für den Versuch des Schifahrens aber mit Sicherheit zu teuer. In den 90er Jahren bin ich aber doch auch immer nur mit der Jeans und einem Pullover gewedelt, wo wollen wir es 2013 also wieder machen. Gepimpt mit einer langen Unterhose und anderer warmer Wäsch.

Früher wäre das Motto gewesen: Schi aufs Dach, alles andere in den Kofferraum … und ab in die Berge. Auto gibt es seit Herbst nicht mehr in meinem Leben und das soll auch so bleiben. Sehr gut ist auch die Verbindung mit dem Postbus in die Berge – genaugenommen ins Steirische Mariazell.

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Die Fahrt kostet hin und zurück wohlfeile € 28 und dauert knappe 3 Stunden, in denen man lesen kann, arbeiten oder eben mal abspannen. Im Auto soll einem das erstmal gelingen!

Die größere Hürde sah ich aber in der Ausrüstung. Wird mir der Verleih den Schi verweigern, wenn ich beim Bindungseinstellen mein Körpergewicht outen muss? Zahlreiche Sportgeräte haben halt Ihre maximalen Obergrenzen und in Verleihsituationen kommt ja noch die rechtliche Bürde des Verleihers hinzu. Für den Notfall habe ich mir vorgenommen einen Revers zu unterschreiben, daß ich das alles auf eigenes Risiko mache und auch für die ausgeborgten Gegenstände hafte. Aber nix da: Der netten Erika Dellinger im örtlichen Schiverleih und Schischule Rudy’s Hcool war das egal. Sie hat mir vertraut.

Aber: als ich zuletzt schigefahren bin, gab es eine Regel: Schigrösse = Körpergrösse + 10 cm. Daher hatte ich immer Latten um die 2 m. Sowas – hörte ich – haben heutzutage nur mehr Schispringer. Man fährt jetzt Carving-Ski eine Form von Bretteln, die vor 17 Jahre nur einige wenige Exoten ausprobierten. Mein Leihski misst nun 155 cm Länge.Naja. Vielleicht klappt es ja.

Mit der Ausrüstung ging es per Gondel auf die Bürgeralpe – und irgendwie dachte ich- wird es wohl mit der Gondel auch wieder runtergehen, denn langsam verließ mich der Mut und noch schneller das Selbstbewusstsein. Denn meine Freundin erklärte mir ganz stolz, daß sie einen eigenen Carvingkurs besucht hat und die Technik ja doch eine ganz andere sein. Ooops! Da hilft mein Salzburger Landesschilehrer aus dem letzten Jahrhundert wohl auch nix mehr. Ich werd mich blamieren.

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Am Berg gab es dann noch einen kräftigen Schluck Wasser und dann kamen die Carvingski an die Schuhe, die mir ob Ihrer vielfältigen Schnallen, Knöpfe, Pumpen auch wie ein Abfallprodukt der Weltraumforschung vorkamen. Gottlob – und dieser christliche Ausspruch ist in Mariazell wohl passend – gab es am Gipfel sowas wie einen Übungslift. Der Jubiläumslift mit einem Gefälle von knapp über 0 ist normalerweise für Kinder und Anfänger da. Also genau richtig für mich.

Richtig super waren die ersten Schimomenten nach 17 Jahren Abstinenz nicht, aber es ging. Immerhin sogar ein wenig bergab. Und mit jedem Meter wurde es besser. Irgendwie hatte ich das Gefühl, daß es mit Carvingskiern sogar einfacher ist als früher mit den konventionellen 2 m Latten. Obwohl ich mich mit dem Rest meiner Ausrüstung (Jean, Pullover, Fleecejacke, Rentiermütze) für den hefitigen Schneefall und auch modisch etwas underdressed fühlte. Aber egal. Es machte Spass.

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Ein paarmal am Übungslift und dann einige Fahrten ins Tal. Die schwarze Piste wurde es noch nicht, aber für den ersten Tag nach 17 Jahren hat es gereicht. Bei der Pause in der Hütte musste ich sogar heulen vor Freude, daß ich es wirklich noch mal auf Schi geschafft hab.

Und das Schigebiet Mariazell ist für Menschen, die öffentlich unterwegs sind und keinen Wert auf überdimensionional niedergepflasterte Pistenkilometer legen wirklich eine Reise mit dem Postbus wert. Preisgünstig zudem!

Und hier der Beweis in bewegten Bildern:

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Man kennt das fleischlose Angebot im Segment der verstaubten Gastronomie: Zumeist frittiertes Gemüse, Käse oder irgendeine Art von fettigen Convenience-Laibchen. Manchmal vielleicht noch Klassiker wie Eiernockerl, Kasspätzle und eben die traditionellen Süßspeisen. Hier im Steirischen Mariazell hat ein findiger Wirt aber noch den vegetarischen Fisch auf der Karte:

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Ernst Kerschbaumer vom Radlwirt in Mariazell dürfte mal ein begnadeter Musiker gewesen sein. Vergilbte Bilder an der Trompete zeugen von dieser wohl vergangenen Zeit. Mittlerweile gibt es im Wirtshaus der Familie Kerschbaumer, nahe der Basilika im Wallfahrtsort, Livemusik nur noch nach Bedarf. Und den hatten die beiden einzigen Gäste mit ihren Puntigamer Bierflaschen vorm Gesicht offensichtlich nicht. Auch ich hatte nicht vor, länger als einen neugierigen Blick in der Gaststube zu verbleiben, denn schon das vegetarische Angebot an der aussen proklamierten Speisekarte, schreckte mich ab:

Forelle im vegetarischen Angebot hatte ich noch nicht im Register der Absurditäten. Ebenfalls in der Steiermark erklärte mir einmal eine Wirtin in Leoben, daß die Speckwürfel in der Salatschüssel ohnehin kein Fleisch wären. Aus Texas hören wir, daß Vegetarier dort nur auf rotes Fleisch verzichten und Hühnerfleisch durchaus als vegetarische Köstlichkeit durchgeht! Daß dort einiges nicht stimmen kann, ahnte ich seit George Bush dem jüngeren.

Auch vernahm ich, daß Mönche im Mittelalter in der Fastenzeit Biber essen durften, weil das Tier im Wasser schwimmt, und daher eher eben Fisch und kein Fleisch. Wenn man vegetarisch nun also als rein fleischlos bezeichnet, könnte es hier zu Missverständnissen kommen, denn auch eine althergebrachte Frage lautet: “Fisch oder Fleisch?” (ebenso ein köstlicher Film mit Louis de Funes aus den späten 50er Jahren)

Die vegetarische Kost ist aber klar definiert: Keine Lebewesen werden gegessen, und da zählt der Fisch eben genauso dazu, wie der Speck oder das Hühnerfleisch. Und alle, die auch gleich auf gänzliche Produkte dieser Lebewesen, wie Milch, Ei oder Honig verzichten wollen, sind eben Veganer.

Wer in Mariazell, so wie ich aber nicht vegetarisch unterwegs ist – und Lust auf guten Fisch hat, der sollte ohnehin woanders essen gehen. Direkt unter der Basilika hat nämlich Alexander Quester – Spross der Autorennfahrer und Baustoffmarktdynastie – einen Shop mit kleinem Restaurant mit seinen Fischspezialitäten eröffnet: Questers feiner Fisch kommt aus nachhaltiger Süßwasserzucht im nahen Gußwerk und wird mittlerweile in der Topgastronomie serviert.

 

www.radlwirt.com

www.questers.at

 

Über die Weihnachtsfeiertage ist mir wieder einmal so richtig bewusst geworden, wie viel Müll wir unnötig produzieren. Ganz besonders bei den Lebensmittelverpackungen war es heuer extrem. Die verschiedenen Käsesorten abgepackt zu 80 g in transparenten Kunststoff verschweisst. Zwischen jedem Käseblatt nochmal eine Folie. Die Über- und Zwischenverpackungen, das ganze Papier: Mir wurde es einfach zuviel.

Dann hab ich mir vor ein paar Tagen nochmal Werner Bootes Dokufilm Plastic Planet angesehen. (Seit November steht er – bis heute – übrigens in der ZDF Mediathek. Volle 95 Minuten wertvolle Information. Für unseren Haushalt war das wieder ein wichtiger Anstoss. Seit 2 Monaten verzichten wir auf ein Auto, nun kommt ein weiterer Schritt: Wir wollen Plastik daheim vermeiden. Wurst und Käse wird seit Jahresbeginn nicht mehr verpackt im Supermarkt gekauft, sondern frisch von der Theke im Biomarkt. Dafür nehme ich meine Transportgefäße von daheim mit, so wandern die Lebensmittel direkt in den Kühlschrank.

Der nächste Schritt, und das ist bei uns eine ganze Menge, sind die Mineralwasserflaschen. Wir mögen brickelnde Getränke und so fliesst das perlende Wasser hier in Strömen. Bis dato großteils aus PET Flaschen, zum Teil sogar Mehrweg. Das hört sich auf. Aber: es gibt kaum mehr Mineralwasserflaschen in Haushaltsgrößen in der klassischen Glasflasche. Und ohne Auto eininge Kisten Wasser nach Hause zu bringen ist ja auch nicht ganz ohne. Daher: Erstmals hab ich mir Lebensmittel zustellen lassen. Die Ware kostet genausoviel wie im Supermarkt, allerdings kommen ca € 8 Zustellgebühr dazu. Das ist nicht wenig, aber die Zustellung von 4 Kisten Mineralwasser in den 3.Stock durchaus wert.

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Und das Wiedersehen mit der Vöslauer Glasflasche war ein freudiges. Weckte Jugenderinnerungen. Ich kannte ja zuletzt nur mehr diese hellblau eingefärbten kleinen Gastroflaschen. Diese alte Grüne Klassikform hab ich mir nicht erwartet.

Bei Zustellungen von Merkur-Direkt bekommt man übrigens zumeist noch kostenlose Warenproben von neuen Produkten als Werbung mitgeliefert. Bei meiner ersten Glasflaschen Lieferung war das übrigens ein Softdrink in einer Plastikflasche. Grmmml!