Heute ist es genau 3 Jahre her, daß ich aufhörte, Alkohol zu trinken. So weit, so gut: Aber es gibt immer noch Situationen wo ich alkoholische Getränke vermisse.

Einige Zeit nachdem mein Sohn zur Welt kam, habe ich mich entschlossen, nie wieder Alkohol zu trinken. Ich machte damals alkoholische Getränke zu einem hohen Prozentsatz verantwortlich für mein extrem hohes Gewicht. Nicht zu Unrecht. Und natürlich hatte ich Angst, daß die großen Mengen des Konsums irgendwann auch zu Krankheit oder Abhängigkeit führen würden. Mein Arzt unterstrich diese Vermutung uns so stoppte ich im Juli 2009 für mich den Alkohol.

Es war leichter als ich dachte. Und hatte kaum schwer eingreifenden Verzicht zur Folge. Mir wurde bald bewusst: Es funktioniert für mich sehr leicht ohne Bier, Vodka und Wein. Ich merkte nur deutlich, daß ich einige Verhaltensmuster massiv umstellen muss. Ich fand mittlerweile auch sehr gutes alkoholfreies Bier, daß mir manchmal noch den vermissten Biergeschmack gibt.

Damit trotze ich allerdings der Meinung meines Arztes, der mir empfohlen hat auf alkoholfreie Biere zu verzichten. In Kreisen von Alkoholikern spricht man im Fall von diesen Produkten vom “sanften Rückfall”. Es gibt Menschen, die dann in kurzer Zeit 8-10 Flaschen alkoholfreier Biere trinken! Warum? Auch hinter dem Namen “alkoholfrei” steckt produktionbedingt noch immer eine Restmenge Alkohol, die gesetzlich bis 0,5 Prozent liegen darf. In einigen Ländern Europas, so auch in Spanien, haben Verbraucherschutzorganisationen durchsetzen können, daß diese Produkte gar nicht mehr als alkoholfrei tituliert werden dürfen.

Aber ich glaube ich übertreibe nicht. Mein Maximum an einem Abend verteilt waren einmal 4 Flaschen alkoholfreies Bier. Das entspricht auf vielleicht 2-3 Stunden aufgeteilt dem Alkohol, den man mit einem Pfiff Bier (=0,2 liter) zu sich nimmt. Und natürlich trinke ich auch nicht täglich alkoholfreies Bier, denn schlußendlich geht es in meinem Fall ja auch um Kalorien und – obwohl AF-Bier stark kalorienreduziert ist, und von vielen als gesundes isotonisches Getränk angepriesen wird- hat es noch immer ausreichend Potential zum Dickmacher.

Vor wenigen Tagen hatte ich aber wieder so eine Situation. Entspannende Radtage am ungarischen Plattensee. Große Radrunde am Ufer entlang. Danach etwas Schwimmen und dann das große Abendessen im Ort. Danach zurück in die Ferienwohnung und vom Balkon aus auf den See blicken. Wonach schreit das? Für mich sind das die Momente, wo eine schöne Flasche Wein geöffnet wurde und ruhig und langsam genossen wurde. Was mach ich bloss? Mit Mineralwasser, Saft oder alkoholfreien Bier krieg ich dieses Gefühl nicht. In diesem Fall könnte ich mir noch alkoholfreien Sekt vorstellen. Den hab ich schon mal an Silvester versucht . In solchen Momenten wahrscheinlich ein guter Ersatz. Aber eben gerade nicht zur Hand – den gibt es nur sehr selten zu kaufen! Aber mit Sicherheit noch lange nicht der Genuss, den ich früher mit einem runden, vollen, süssen ungarischen Wein in diesen Momenten hatte.

Aber ein bisserl Verzicht gehört in meiner Situation halt immer noch dazu. Mindestens.

Jedes Jahr das gleiche: Da wartet man wochenlang im Schweisse seines Erd- und Sonnegegerbten Hobbygärtnergesichtes auf die ersten zu erntenten Früchte im Selbsterntegarten – und dann wachsen die Zucchini innerhalb von 4 Tagen in alle Richtungen.

Vor wenigen Tagen sind die ersten kleinen Zucchini gerade mal unter den Blüten aufgetaucht. Am Donnerstag haben wir die ersten beiden “in Handelsgröße” schon geerntet und fröhlich ins Essen geschnippselt. Gestern aber bin ich wieder raus: Schock schwere Not! Die Zucchini sind in Ihrer Größe explodiert.

Den Nachbarn ist es bereits zuviel geworden und einige Riesenexemplare gipfeln am Komposthaufen des Selbsterntegartens. Am Gemeinschaftstisch, gleich neben dem Eingang liegen weitere Prachtexemplare zur freien Entnahme. Aber meine möchte ich verwerten. Wegwerfen geht nicht. Die Verwandtschaft gerade alle auf Urlaub, die Nachbarn mögen Zucchini nicht – also wird gekocht, eingekocht und experimentiert.

Die hätten eigentlich nicht auf den Kompost sollen!

Die hätten eigentlich nicht auf den Kompost sollen!

Teil 1. Aus dem heute geplanten Erdäpfelgratin zum Lachssteak wird nun ein Erdäpfel/Zucchinigratin mit geringem Erdäpfelanteil.

Teil 2. Während im Rohr das Gratin vor sich hin gart, koche ich in zwei großen Töpfen die restlichen Zucchinimonster. In ersterem Topf mit Zwiebel, Chilipulver zu einem Pesto, in zweiteren kommt noch etwas Ingwer dazu: das ganze wird flüssiger eingekocht und wird in etwas kürzerer Zeit zu einer Suppe. Ein Experiment – zuvor noch nie probiert. Der Lachs (erstmals mit Limette statt mit Zitrone eingeträufelt) war mit dem Gratin eine Sensation. Hat wirklich gut geschmeckt und war nach einem sehr geschäftigen sportlichen Sonntag ein Highlight.

Die Kombination Zucchini/Ingwer kann nicht begeistern. Experiment gescheitert – das werde ich morgen mit wenig Begeisterung essen.