Es waren wieder mal die heissesten Tage des Jahres und trotz aller Vorsätze schaffe ich es kaum einen Bogen um die Eisvitrine zu machen. Und die aktuell gehypte Alternative ist leider so gar nicht meines.

Die Zeit war schon reif, daß auch in Wien Alternativen zu den konventionellen Eissalons aufsperren. Der Trend zu den Joghurt Eismaschinen, der 2010 schon in einigen deutschen Metropolen auszumachen war, ist nun mit 2 Geschäften auch nach Wien gekommen. In der Nähe des Wiener Naschmarktes startete das Foxy und vor wenigen Wochen stiess in einer Seitengasse der Tuchlauben der Kurt mit seinen Frozen Yoghurts dazu.

In beiden Fällen handelt es sich nach Aussage der Betreiber um Bio-Joghurt aus der Region, daß ähnlich wie Softeis aus Automaten hinter dem Tresen heruntergelassen wird. Im Gegensatz zu konventionellem Speiseeis, daß auf Tonnen von Kalorien in cremigen Schlagobers/-sahne verpackt, setzt, ist Frozen Joghurt fettarm und enthält wenig Zucker. Das schmeckt man leider auch. Die einhellige Meinung der Erstverkoster war in den meisten Fällen: “zu wenig süss”.  Der eigentliche Geschmack, also der Kick, kommt dann durch die Toppings, das sind nach Wahl des Kundens Sirupe, frische Früchte oder Nüsse/Mandeln. Wenn man nun aber auf den intensiv fruchtig-süssen Geschmack kommen will, den man von konventionellen Saloneis gewöhnt ist, braucht es schon viel Sirup/Fruchtmark. Und da ist es dann mit dem Kalorienvorteil des Frozen Yoghurts bald wieder dahin.

Definitiv weit vorne haben die neuen Frozen Yoghurt Salons Ihre Nase in den Bereichen Nachhaltigkeit und Design. Die Geschäfte sind schön anzusehen (wenn man das bei den Schlangen an wartenden Menschen noch einblicken kann) und in Teilbereichen heften Sie sich das Attribut Bio auf die Fahnen. Zumindest das verwendete Joghurt soll diesen Status haben, bei den Früchten/Toppings erhielt ich widersprüchliche Aussagen der Verkaufskräfte. Besser allemal, als all die Aromastoffe, Stabilisatoren und Emulgatoren im konventionellen Speiseeis.

Aber nach meiner ersten Portion Frozen Yoghurt (es war Mango/Pfirsich mit einigen frischen Früchten und Nüssen) verstehe ich die Meinung meiner Kollegin Katrin: “Man ist dann froh, ein paar Ecken weiter beim Eisgreissler wieder richtig gutes Eis zu bekommen” (und das übrigens zum größten Teil in Bio-Qualität).

Eigentlich lebe ich ja immer schon am südlichen Wiener Stadtrand. Die Wälder, durch die ich so gerne spaziere sind eigentlich schon der Beginn der Alpen. Hoch sind die Berge hier noch nicht, aber fährt man etwas raus aus Wien, werden Sie mächtig und .. ja klar: alpin.

Schneeberg und Rax heissen die mächtigsten und man nennt sie nicht umsonst die Hausberge der Wiener. So wie der Neusiedlersee als das Meer der Wiener gilt, sind die sogenannten Wiener Alpen in Niederösterreich begehrte Ausflugsziele. Schon als Kind war ich hier öfters mit meinen Eltern auf Urlaub, insbesondere den Semmering hab ich noch in sehr guter Erinnerung. Aber so richtig geurlaubt (also quasi innerhalb einer Autostunde von Wien) hab ich hier lange nicht. Das wird sich aber ändern. Denn auf einer dreitägigen Schnupperreise wurden mir die tollen Dinge wieder nähergebracht.

Eigentlich ging es bei dieser Reise vor allem um Gesundheit und Natur. Toll. Denn letzteres fehlte mir in den stressigen letzten Wochen sehr … und ohne Natur und Bewegung lässt bei mir das gesundheitliche Wohlbefinden auch rasch nach. In der sogenannten Buckligen Welt checkte ich für eine Nacht im Gesundheitszentrum Königsberg in Bad Schönau ein. Unsere kleine Gruppe aus Journalisten durfte den Altersschnitt dort drastisch senken, jener der  Privatgäste liegt dort nämlich über 75 Jahre. Da blieb mir umso mehr Platz im Fitnessraum, der dort wirklich alle Stückchen spielt. Besonders ans Herz ist mir der Space Curl gewachsen, von dem es in Österreich nur zwei Exemplare gibt. Kein anderes Gerät kann die Schwerelosigkeit so gut simulieren. Noch nie zuvor konnte ich jeden einzelnen Teil meines Körpers so gut fühlen.

Der nächste Tag führte uns in die wunderbare Region von Payerbach und Reichenau, am Fuße der Rax. Die Vorpremiere von Arthur Schnitzlers “Fräulein Else” hab ich sehr genossen, der hinter mir schlafende ehemalige Operndirektor Ion Hollender hat nicht einmal geschnarcht. Gleich danach ging es zur Jause ins Schloss Wartholz, wo heute ein wunderbarer Gartencenter residiert mit einem Shop für Menschen die schon alles andere haben und das Besondere suchen. Wunderbar. Das angeschlossene Kaffee versprühte den dekadenten Flair der vorletzten Jahrhundertwende und es war ein Traum zwischen all den Hofratswitwen Kaffee und Kuchen zu konsumieren. Das eigentliche Schloss ist heute in Privatbesitz und ist nicht zugänglich. Für alle anderen zumindest. Unser Grüppchen genoss aber das Privileg, durch die Räume zu flanieren und das Flair von Otto Habsburgs Geburtshaus zu atmen. Sogar die Babysschuhe des letzten österreischischen Thronfolgers durfte ich berühren. Es hat übrigens keinen causalen Zusammenhang, das Otto Habsburg tags darauf verstorben ist.

Meine heisseste Empfehlung in dieser Region ist allerdings das Restaurant im Looshaus, etwas oberhalb am Kreuzberg über Payerbach. Die Wirtsfamilie hat hier in einem architektonisch bedeutenden Gebäude eine regionale, gutbürgerliche Küche etabliert, die neben Sommerfrischlern und Wanderern auch den hohen Ansprüchen der gutsituierten Reichenauer Sommergäste entspricht. Ich habe es genossen. Und empfehle es wirklich gerne weiter (nicht ohne darauf hinzuweisen, daß man hier schon sehr früh reservieren sollte.

Achja, es ging hier aber nicht nur um das Essen, obwohl es wirklich an allen Plätzen der Reise wundervoll zu speisen war. Da erwähne ich gerne auch die regionale und grossteils aus biologisch angebauten Zutaten kreierte Küche der Familie Weber in Bad Schönau. Da hat einfach alles gepasst. Aber wie gesagt, es ging auch um Bewegung und Sport. Der kam abschliessend in Bad Fischau nicht zu kurz. Obwohl die Aussentemperatur an diesem Tag nur bei etwa 15°C gelegen hat, war das Becken mit 19°C Wassertemperatur ideal für 40 Minuten schwimmen. Dass ich dabei fast alleine war, hat mich wie immer nicht sonderlich gestört. Im Gegenteil. Das Naturbecken dieses Thermalbades hat übrigens IMMER diese Temperatur. Ich freue mich jetzt schon auf das Neujahrskonzert 2012, daß man hier im Becken auf Riesenleinwand betrachten kann. Das Bild von meinem Sprung ins Damenbecken nehme ich jedoch wieder als weiteren Vorsatz, eisern an meiner Figur zu arbeiten.