Schon im letzten Jahr erfuhr ich aus dem Blog einer Bekannten von den Selbsterntegärten in Wien. Ein Artikel im Biorama hat mich dann diesen Frühling wieder erinnert. Gerade rechtzeitig um sich noch eine Parzelle am Stadtrand zu reservieren.
Ich wohne am Wiener Stadtrand, schon recht grün, aber leider ohne eigenen Garten. Auf meiner Terrasse und am Küchenboard lass ich Kräuter wachsen, den grünen Daumen kann ich für mich aber nicht in Anspruch nehmen. Nach dem Schritt, mein Gemüse vorzugsweise am BioMarkt oder noch lieber direkt am Biohof Breitenfurt zu kaufen, wollt ich nun aber gerne auch selber was anbauen. Und dabei meinem kleinem Sohn zeigen, daß die Karotten nicht im Supermarkt wachsen.
Mit Unterstützung meiner Schwester, die unweit von mir wohnt, haben wir uns dann für 2011 entschlossen, eine 40 m² grosse Parzelle in unserer Nähe zu mieten. Inmitten eines grossen Ackers wurden hier viel kleine Parzellen geschaffen, die in dieser Grösse um wohlfeile € 100 für eine Gartensaison zu mieten sind. Die ersten 18 Gemüsereihen wurden bereits im März/April von den Betreibern eingesät, die Übergabe an die Pächter erfolgte kollektiv in den ersten Mai-Tagen.
Dreimal die Woche wird von den Betreibern von 8-10 Uhr morgens zentral bewässert, dadurch hab ich mir das ganze Prozedere für uns Hobbygärtner sehr einfach vorgestellt. Denkste !!! Nach der Übergabe war ich erst eine Woche später wieder auf meinem kleinen landwirtschaftlichen Idyll. Mein kleiner Sohn Florian war dabei und gemeinsam konnten wir nicht viel anrichten. Für Ihn ist das Feld erst wieder zur Erntezeit richtig Spass, derweilen geh ich lieber ohne Ihn hin. Nach ein paar Tagen hat meine Schwester schon eine Teilfläche vom Unkraut befreit und ein paar frische Jungpflanzen auf die Freifläche gesetzt. Tomaten, Petersil und …. mal sehen, was aus dieser dritten Planze mal herauswächst ?
Zwei Tage später war ich wieder draussen. 15 min mit dem Fahrrad und ich steh im Unkraut. Wahrlich ! Denn mittlerweile konnte man kaum mehr erkennen, was die eigentliche Gemüsepflanze ist, und was das Bei- bzw Unkraut. Mit dem iPhone googelte ich vor Ort die angeführten Pflanzen um an den Abbildungen zu checken, daß ich ja das richtige jäte und nicht die Jungzucchini bzw Karotten früh entsorge. Und es ist nicht einfach für mich ! So sportlich ich mich manchmal auch fühle. Mit 140 kg kann man nicht lange am Boden herumrobben (meinen zumindest meine Knie). Und die gebückte Stellung funktioniert zwar für Schuhzubinden schon gut, aber lange geht das auch nicht ohne Schwindelgefühl und Rückenschmerzen.
Nach 3 Wochen sehe ich eindeutig, daß ich mir das alles viel einfacher und nicht so zeitaufwendig vorgestellt habe. Seit ein paar Tagen bin ich nun jeden Morgen bereits kurz nach 6.00 Uhr am Feld und arbeite zwischen 60 und 90 Minuten. Mehr geht zeitlich gerade nicht. Dennoch fühlt es sich an wie Sisyphus-Arbeit. Ich verlasse Teile des Feldes schön ausgejätet, ich achte darauf, daß die Gemüsepflanzen (zur Zeit sieht man nur Buschbohnen, Radieschen und Zucchini) schön freistehen. Am Morgen darauf sind sie jedoch wieder von Grün umgeben. Bei den meisten Feldern um uns herum sieht es aber vorbildlich aus. Mittlerweile denke ich, daß wir das Feld die erste Woche nicht alleine dahinwachsen lassen hätten sollen.
Wie wir das weiter schaffen sollen ? Ich weiss es noch nicht. Die nächsten Tage kann ich nicht hinunter weil ich in Norddeutschland sein werde, meine Schwester wird morgen mal raus. Sie ist auch sehr ambitioniert, aber zeitlich genauso eingeschränkt. Wenn ich jemals ein Stück Gemüse von diesem Feld essen werde, wird es ein Freudentag.


