Aus beruflichen Gründen durfte ich das Wochenende in Kärnten verbringen. Bunte Plakate machten mich auf das Alpe-Adria Biofest rund um den Lindwurm aufmerksam und so stöberte ich mit meinen Reisebegleiterinnen Sonntag vormittag durch das biologische Angebot Kärntens, Sloweniens und Norditaliens. Dabei lernte ich eine sehr interessante Persönlichkeit kennen.

Die Sortenvielfalt an Biokartoffeln ist mir schon von weitem ins Auge gestochen und als ich näher kam und mir interessiert das Sortiment anschaute, war auch gleich der Biobauer zur Stelle um unsere Neugierde zu befriedigen. Und die Geschichte, wie er zur natürlichen Landwirtschaft kam, ist eine erzählenswerte: Dolfi Hudelist hatte einen Tumor. Bösartig war er. Und mit vielen Chemotherapien wurde er besiegt. In dieser schwierigen Zeit und beeinträchtigt durch die Bestrahlungen war sein Geschmacksinn analog zu einer Hochschaubahn. Mal schmeckte er gar nichts, ein anderes mal der Eindruck weit überzogener Geschmackssensorik. Als der Tumor besiegt war, hatte er das Gefühl, der Geschmackssinn wäre wieder bei Null. Wie bei einem Neugeborenen Baby schmeckten unnatürliche Dinge nicht mehr, dafür entfalteten sich die einfachen Dinge. Fleisch schmeckte Dolfi überhaupt nicht mehr. Er wurde zum  Vegetarier und stellte seine komplette Landwirtschaft auf biologisch um und begann natürliche Kräuter anzubauen.

All das macht er seitdem mit grosser Leidenschaft. Das hört man in seinen Erzählungen und kann es wahrlich mitfühlen. Seine größte Liebe (neben seiner Frau) gilt der Kartoffel Nicola, von der ich mir auch gleich ein Kilo einpacken liess.  Nach der Verkostung diverser Kräuter- und Früchtesirup aus dem Hause Hudelist hab ich mich für eine Flasche Bio-Lavendelblütensirup entschieden. Auf die Frage, ob man seine köstlichen Produkte vielleicht auch irgendwo auf Wiener Märkten erstehen könnte, antwortete Dolfi geruhsam: “Nein ! Das würde noch mehr Arbeit erfordern und mich in meiner Lebensqualität beschränken.”

Wer aber mal in der Gegend zu tun hat, dem sei ein Besuch bei Dolfi und seinem Kräutergarten empfohlen, jeden Mittwoch gibt es auch Führungen durch die Kräuterweld

Aromagarten “Gidosa“; Familie Hudelist; A-9064 Salchendorf/Kärnten

Um die buntsortierten Kühlregale mit den vielen Fruchtjoghurten und den verdauungsregulierenden Functional Drinks mach ich schon länger einen großen Bogen. Nicht nur, weil ich meiner Gesundheit zu Liebe auf Milchprodukte immer mehr verzichten möchte, sondern weil ich den Verpackungslügen einfach nicht mehr traue.

Zuletzt erfuhr ich von einem Kürbisbauern, der stolz erzählte, seine Kürbisse an Molkereien zu verkaufen, die den Kürbis als Fruchtfleisch in Erdbeerjoghurt verwenden. Kürbisse kommen Ihnen billiger als Erdbeeren. Geschmack und Farbe werden sowieso künstlich zugesetzt. Schluck.

Fruchtjoghurts sind gesetzlich in drei Klassen eingeteilt: Fruchtjoghurt (enthält mindestens 6 % Frucht), Joghurt mit Fruchtzubereitung und Joghurt mit Fruchtgeschmack. Gängige Praxis ist es aber, günstigere oder leichter konservierbare Früchte zu verwenden. So werden statt Erdbeeren häufig Kürbis verwendet und in Marillen/Aprikosenjoghurt findet man den günstigeren Pfirisich. Die Farbe erhält das Fruchtjoghurt ohnehin durch Rote Beete-Saft oder Karottenkonzentrat und das gewünschte Aroma wird durch künstliche Geschmacksstoffe ergänzt.

Da hol ich wieder ein Buch aus dem Regal, daß mir schon einmal so viel über die Tricks der Nahrungsmittelindustrie verraten hat. “Die Joghurt Lüge” (Campus Verlag) beschreibt auf über 300 Seiten die Tricks der Industrie: Dubiose Inhaltstoffe, nicht deklariertes Gen-Food, bestrahlte Lebensmittel etc. Das Buch zeigt, wer hinter dem Geschäft mit unserem Essen steckt. Es nennt die Risiken, welche durch Lenbensmittel entstehen, und verrät was jeder wissen sollte, um sich gesund zu ernähren und den Tricks der Branche nicht zum Opfer zu fallen.

Da ich mein Geld gerne für gesunde, natürliche Rohstoffe ausgebe und nicht in teure Marketingkampagnen verzichte ich seitdem auf all diese Produkte. Was gibt es schöneres als frische Früchte vom Bauern oder vom Markt selber zu holen und in frisches Naturjoghurt zu schneiden oder als Porridge/Brei aufzukochen.

Das Auftreten in Badehose ist nach wie vor kein leichtes für einen Moppel wie mich, der noch dazu etwas eitel ist. Ein langes Wochenende im ungarischen Thermenhotel BIRDLAND in Bük stellte mich wieder vor diese Mutprobe.

Es ist das einzige Wochenende im September, wo ich nicht mit Geschäftsterminen verplant bin. Diese Zeit wollte ich nutzen und fand ein hervorragendes Angebot für ein Sportwochenende. Ziel: Das Thermenhotel mit Golfplatz im ungarischen Bük. Noch nie war ich zuvor in einer Therme und meine Vorbereitungen waren ähnlich einer Weltreise. Verständlicherweise ging ich davon aus, daß die lokalen Leihbademäntel meinen Körper nicht fassen konnten, so nahm ich mein eigenes Teil mit und wurde die “graue Maus” unter den weissen Badegästen.

Ich zögerte mehr als nur lange aber irgendwann traute ich mich durch die Wellness suchenden Gäste in den Badebereich und versuchte die Zeit zwischen Bademantel ausziehen und ins Pool huschen strategisch aufs mindeste zu reduzieren. Aber kaum war ich unter den vielen neugierigen Blicken im Wasser – niemand brachte mich wieder raus. An jedem der 3 Tage war ich mindestens 2 Stunden im Wasser. Sauna und anderes habe ich aber doch gelassen, aber nicht aus Scham sondern weil ich einfach keine Lust verspürte.

Lust verspürte ich aber auf Radfahren und Golf. Und diesen Leidenschaften fröhnte ich auch ausgiebigst. Mit dem Leihrad ging es die Umgebung zu erkundschaften und fast 90 Minuten am Stück bin ich an diesem sonnigen Vormittag geradelt. Über 3 Stunden am Golfplatz und die darauffolgenden Längen im Pool brachten meine Waage am nächsten Morgen zum lachen.

Schon am zweiten Tag verspührte ich keinerlei Scheu mehr, meinen Körper in der Badehose zu zeigen und damit stieg auch das Selbstbewusstsein enorm. Ungern bin ich nach dem Bad auf den Liegen rund um die Pools gelegen, dafür habe ich mich dann doch auf unser schönes Zimmer verzogen. Sicherlich wird mich diese Therme bald wieder sehen. Und auch für das Hallenbad in Wien ist diese Erfahrung eine grosse Motivation