Die Tage waren eigentlich gar nicht so schwierig. Die Bahnfahrt am 23.Dezember von Wien nach Bayreuth war der dritte Nullen (Tag an dem ich nichts esse) in Folge und so eine lange Bahnfahrt ist ob des kulinarischen Angebots an Bord ohnehin nicht so schwierig Essenslos zu bewältigen. Schwieriger war da natürlich der Christtag, also der erste Weihnachtsfeiertag.

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Der Heilige Abend war also ein sogenannter Einser (Tag an dem ich esse) und da habe ich ordentlich zugeschlagen. Zu Mittag schon hatte ich in einem kleinen Brauwirtshaus eine Portion Leberkäse mit Brot und dazu zwei starke Bockbier. Zwar habe ich davor ordentlich Bewegung gemacht, aber das war schon mal ein starker Einstieg in einem Tag, von dem man ja weiss, daß auch der Abend üppig sein wird. Vor allem, wenn man sich in solchen Situationen nicht im Griff hat, und dazu gehöre ich ja bekanntlich.

Zur Vorspeise gab es diverse leckere Aufstriche mit viel Brot, danach dreierlei Arten von Lasagne (mit Faschiertem/Hack, mit Lachs und Spinat sowie eine rein vegetarische Variante). Klar habe ich von überall probiert, von der Fleischvariante sogar öfters. Und zum Desert noch köstliches mit Kuchen und Eierlikör im Glas. Dazu natürlich auch noch einiges an Bier und Wein. Klar. Ist halt so. Aber es war ja auch ein Einser.

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Aber nach so einem üppigen Abend ist ein Nuller am nächsten Tag natürlich schwerer. Es ist nämlich nicht so, daß man dann am Morgen noch immer voll ist. Die Erfahrung zeigt, daß man gerade nach solchen Abenden in der Früh wieder massig Hunger bzw Appetit hat. Der Magen wurde halt extrem gedehnt und verlangt wieder nach Füllung. Uff. Aber geschafft habe ich es trotzdem. Dem Mittagessen am ersten Feiertag bin ich dann gänzlich ferngeblieben und hab mich mit Zeitungen beschäftigt. So wurden einmal die ersten Tage gut überstanden, die Kilos purzeln trotz Weihnachten weiter – das merke ich zur Zeit einfach am Gewand. Da brauche ich gar keine Waage dazu. 5 Nuller waren das bis jetzt. Chapeau! Stolz bin!

Jetzt ist es schon wieder länger her, daß ich Golf spielen gewesen bin. Nach über 1 Jahr Pause funktioniert es aber immer noch.

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Im Urlaub am Golfplatz von St.Michael im Lungau versuchte ich mich am öffentlichen Übungsplatz mit 9 Löchern, der sogar ein Par 5 dabei hat. Alleine Wasserhindernisse fehlen, sind mir aber ehrlich gesagt nicht wirklich abgegangen. Mit dem Gehen habe ich auf Grund des Gewichts und meiner kaputten Knie immer öfter Probleme. Schon bei diesem Urlaub waren längere Wanderungen einfach nicht mehr möglich, gerade das bergab gehen bereitet mir wirkliche Schmerzen.

Beim Golf ist aber offensichtlich alles anders. Während des Spieles sind die Schmerzen wie weggeblasen. Hatte ich anfänglich gedacht, daß ich mich gerade über 9 Löcher mühen werde, sind es dann am Ende doch alle 18 (also 2 Runden geworden). Ohne Elektrokart!

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Danach auf der Terrasse gemütlich Kaffee geschlürft und einen Kuchen gegessen. Nach 40 Minuten sitzen dann das böse erwachen. Nach dem Aufstehen konnte ich fast nicht mehr selbstständig gehen. Mit letzter Kraft habe ich mich zum Leihwagen geschleppt, die 2 Stockwerke im Hotel (ohne Lift) waren für mich wie eine Mount Everest Besteigung ohne Sauerstoff. Sogar das abendliche Bad im Wellnessbereich des Schlickwirtes konnten nicht helfen. In der Nacht hatte ich solch fürchterliche Schmerzen, daß ich sogar an Spital gedacht habe. Erst nach 2 Tagen haben sich die Kniegelenke wieder etwas beruhigt. Michi, du musst was tun. Weniger Gewicht ist essentiell für die Knie!!

Eigentlich mag ich Fotos von mir. Also gute Fotos. Es gibt sie nicht oft, aber es gibt sie. Mit gute Fotos meine ich übrigens keine Bilder hoher künstlerischer Qualität, sondern Aufnahmen, auf denen ich nicht zu dick aussehe und es so wirkt, als hätte ich einen Restbestand an Haar am Schädel. Es gibt aber auch Aufnahmen von mir, die ich hasse.

Ein aktuelles Foto vom Oktober 2013!

Ein aktuelles Foto vom Oktober 2013!

Zu den ungeliebten Aufnahmen zählen natürlich sämtliche Automatenbilder, die von kleinen grauen Kästchen entlang der europäischen Autobahnen gemacht wurden. Ich finde man zahlt für solche Aufnahmen einen unverschämt hohen Preis. Vergleicht  man sie mit herkömmlichen Automatenbildern in Bahnstationen oder Supermärkten sind sie qualitativ auch nur unwesentlich besser. Mittlerweile bin ich schon 1 Jahr ohne Auto, diese teuren Bilder gehören also ohnehin der Vergangenheit an. Die andere Art von Aufnahmen, die ich nicht mag, sind die Röntgenbilder. Gerade eben habe ich wieder ein paar Schnappschüsse bekommen, die gar keine Freude bereitet haben. Genaugenommen stürzten sie mich kurzfristig in schwere Verzweiflung.

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Es war gar nicht so die Art, wie die Bilder geknippst wurden, die mich störte. Die Technik der Magnetresonanz fand ich sogar höchst spannend. Irgendwie ist es sogar lustig, in so eine Röhre geschoben zu werden und für 15 Minuten mit einem Kopfhörer schallgeschützt absolut ruhig daliegen zu müssen (im Nachhinein fühlt sich das zumindest lustig an). Klingt vielleicht auch daher etwas entspannter, weil der Kopf in meinem Fall ausserhalb der Röhre blieb – Wirklich ganz drinnen möchte ich das eigentlich niemals erleben müssen. So richtig blöd fand ich die Aufnahmen, als ich sie einen Tag später abgeholt hab. Normal mag ich ja schwarz-weiss Bilder. Sie haben eine Stimmung in die man noch selber viel hineinfantasieren kann. Aber bei Knochen, Bändern und Sehnen?

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So also schaut mein rechtes Knie aus, und der Verdacht meines Facharztes bestätigte sich laut dem Befund wohl:

Verdacht auf Meniskusläsion mit relativ ausgeprägtem Kniegelenkserguss.

Varusgonarthrose Grad 3

Chondrommalazie Grad 2 retropatellar

ausgedehnte Bursitis präpatellaris

Gut, ich hatte Latein in der Schule. Hab darin sogar meine Matura bzw Abitur bestanden. Aber alles was ich heute davon noch in Erinnerung habe wurde gerade mal durch Asterix-Lektüre warmgehalten. Veni, Vidi, Vici … und so. Aber all das kam in dem Befund nicht vor. Also hab ich ein bisserl gegoogelt und ich rate jedem anderen Patienten: Tun sie das nicht. Es kann nur beunruhigen und bis zum eigentlichen Arzttermin schlaflose Nächte bereiten. Denn folgendes hab ich nun übersetzen lassen: Der Innenmeniskus ist wahrscheinlich gerissen und auf der rechten Seite werd ich wohl ein neues Kniegelenk brauchen.

Ich hasse solche Fotos.

Man kennt das fleischlose Angebot im Segment der verstaubten Gastronomie: Zumeist frittiertes Gemüse, Käse oder irgendeine Art von fettigen Convenience-Laibchen. Manchmal vielleicht noch Klassiker wie Eiernockerl, Kasspätzle und eben die traditionellen Süßspeisen. Hier im Steirischen Mariazell hat ein findiger Wirt aber noch den vegetarischen Fisch auf der Karte:

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Ernst Kerschbaumer vom Radlwirt in Mariazell dürfte mal ein begnadeter Musiker gewesen sein. Vergilbte Bilder an der Trompete zeugen von dieser wohl vergangenen Zeit. Mittlerweile gibt es im Wirtshaus der Familie Kerschbaumer, nahe der Basilika im Wallfahrtsort, Livemusik nur noch nach Bedarf. Und den hatten die beiden einzigen Gäste mit ihren Puntigamer Bierflaschen vorm Gesicht offensichtlich nicht. Auch ich hatte nicht vor, länger als einen neugierigen Blick in der Gaststube zu verbleiben, denn schon das vegetarische Angebot an der aussen proklamierten Speisekarte, schreckte mich ab:

Forelle im vegetarischen Angebot hatte ich noch nicht im Register der Absurditäten. Ebenfalls in der Steiermark erklärte mir einmal eine Wirtin in Leoben, daß die Speckwürfel in der Salatschüssel ohnehin kein Fleisch wären. Aus Texas hören wir, daß Vegetarier dort nur auf rotes Fleisch verzichten und Hühnerfleisch durchaus als vegetarische Köstlichkeit durchgeht! Daß dort einiges nicht stimmen kann, ahnte ich seit George Bush dem jüngeren.

Auch vernahm ich, daß Mönche im Mittelalter in der Fastenzeit Biber essen durften, weil das Tier im Wasser schwimmt, und daher eher eben Fisch und kein Fleisch. Wenn man vegetarisch nun also als rein fleischlos bezeichnet, könnte es hier zu Missverständnissen kommen, denn auch eine althergebrachte Frage lautet: “Fisch oder Fleisch?” (ebenso ein köstlicher Film mit Louis de Funes aus den späten 50er Jahren)

Die vegetarische Kost ist aber klar definiert: Keine Lebewesen werden gegessen, und da zählt der Fisch eben genauso dazu, wie der Speck oder das Hühnerfleisch. Und alle, die auch gleich auf gänzliche Produkte dieser Lebewesen, wie Milch, Ei oder Honig verzichten wollen, sind eben Veganer.

Wer in Mariazell, so wie ich aber nicht vegetarisch unterwegs ist – und Lust auf guten Fisch hat, der sollte ohnehin woanders essen gehen. Direkt unter der Basilika hat nämlich Alexander Quester – Spross der Autorennfahrer und Baustoffmarktdynastie – einen Shop mit kleinem Restaurant mit seinen Fischspezialitäten eröffnet: Questers feiner Fisch kommt aus nachhaltiger Süßwasserzucht im nahen Gußwerk und wird mittlerweile in der Topgastronomie serviert.

 

www.radlwirt.com

www.questers.at

 

Gerade wenn ich mir besonders viel vornehme geht es manchmal nach hinten los. Seit fast einem Jahr befinde ich mich mit meinem Gewicht auf Gleichstand. Die Ärzte nennen es Plateau, in meinem Fall eher Hochplateau.

Die Teilnahme an der ORF Dokuserie “Weg vom Fleisch?” (wöchentlich im Rahmen der Sendung Konkret Heute) sollte mir wieder einen neuen Kick geben. Lange hat sich nichts mehr mit dem Gewicht getan. Zwischenzeitliche Bemühungen und kurzzeitige Abnahmen wurden schnell wieder ausgeglichen. Immer trieb ich mich etwas unter oder knapp über 140 kg.

 

Anfänglich hatte ich kleine Erfolge und der mediale Druck sollte mir etwas Rückenwind geben. Nachdem ich aber schon nach 14 Tagen 4 kg abgenommen hatte, schlich sich der sogenannte Schlendrian ein. Zur Serie gab es begleitenden Unterstützung: Tipps vom Prof.Widhalm, den österreichischen Spezialisten für Stoffwechsel und Gewichtsabnahme. Coaching von der Diätologin des Rudolfinerhauses: Schulungen zu “langsam essen” und “geniessen”. Dabei hab ich mein Wissen wirklich erweitern können, geholfen hat es mir vorerst nicht. Bei den Hauptmahlzeiten hab ich diverse Praktiken anwenden können, dadurch auch meine Portionsgrössen verkleinern: Aber beim sündigen Zwischendurchessen, den Süssigkeiten vom Bäcker vis-a-vis oder den abendlichen Kühlschrankplünderungen hat es nicht geholfen.

Ärger im privaten Umfeld, Druck im Beruf und andere Belastungen haben mich immer wieder zu alten Verhaltensmustern geführt, vielfach als Frustessen bekannt. Und so lautet meine Zwischenbilanz nach 3 Monaten Dreh: 1,5 kg zugenommen! Bow. Uff. Bang. Mein Ziel waren eigentlich 6-8 kg abnehmen in diesem Zeitraum.

Aber ich bin sehr froh, wie dabei im Fernsehteam und bei den Spezialisten umgegangen wird. Es gibt keine Vorwürfe sondern Unterstützung. Man hat mir ein Fitness-Studio angeboten und ans Herz gelegt und wöchentliche Meetings mit Prof.Widhalm und der Diätologin Maddalena angeboten. Es wird zeitlich alles eng. Aber ich möchte dieses Angebot annehmen. Auf der einen Seite coache ich einige adipöse Menschen sehr erfolgreich, nun brauche ich wieder selber Hilfe um von diesem Plateau runterzukommen. Denn mein Ziel habe ich nicht aus den Augen verloren.

Was hat aber neben “Frustessen” noch diesen Rückschlag gebracht? Da gibt es ein paar einfache Erklärungen: Zum Start dieses Programmes bin ich regelmäßig Fahrrad gefahren. Fast jeden Tag die 12 km von daheim in die Arbeit und zurück. Das ist seit Ende Oktober wegen dem Wetter nicht mehr so leicht möglich. Klar, kann man bei jedem Wetter fahren. Aber in meinen Größen das passende Gewand dafür zu finden war unmöglich. Zusätzlich haben wir seit 2 Monaten keine Möglichkeit mehr im Büro zu kochen, zuletzt gab es dafür sogar ein Verbot. Das hat es mir schwerer gemacht. Hab ich zuletzt 2-3 mal in der Woche an der Kochgruppe teilgenommen, was auch der sozialen Vernetzung im Team sehr geholfen hat, suche ich mir momentan zumeist schnelle Gerichte aus den Imbissen und Supermärkten der Umgebung. Und das tut echt nicht gut, auch wenn es kurzzeitig die Bedürfnisse befriedigt.

Was sind die weiteren Massnahmen? Ab sofort notiere ich mein Essen, ja alles Essen, genau und detailiert. Damit die Diätologin ein besseres Bild über meine Portionsgrössen bekommt, werde ich alles fotografieren. Wir treffen uns nun wöchentlich in der Klinik um die Pläne durchzubesprechen und die Massnahmen zu regulieren. Dazu werde ich auch noch mein Schwimmprogramm aufnehmen. Möglichst zweimal in der Woche über 1 Stunde schnell schwimmen. Und bald wird sich auch wieder ein Orthopäde um meine Knie kümmern. Mal sehen was die nächste Zeit bringt. Ich reiss mich am Riemen und schnall den Gürtel enger. Yeah!

 

Manchmal da läuft es so, wie man will. Manchmal ist es auch genau umgekehrt. Jetzt war es eine Zeitlang leider genau umgekehrt. Was dabei noch schlimmer ist: Es passiert bei vollem Bewußtsein

Warum es solche Phasen gibt, hab ich noch nicht ergründen können. Manchmal geht es mir einfach mental schlecht, fühle ich mich unter Druck, bin verunsichert und esse hemmunslos aus Frust. Oft aber auch geht es mir so gut, ich habe gerade etwas erledigt oder freudig geschafft – da esse ich dann riesig und hemmungslos quasi als Belohnung.

Die letzten Wochen würde ich eher zu ersterem zählen. In der Früh groß und üppig gefrühstückt (daran ist ja noch nichts schlecht), dann auf in die Firma: Am Weg dorthin beim Industriebäcker noch ein großes gefülltes Baguett mitgenommen – ja, genau: Das Weißmehlflaggschiff mit Schinken, Salami, Butter und Käse und dem Alibi-Salatblatt. Für viele eine Hauptmahlzeit – bei mir grad so ein Zwischenhappen. Denn kaum bin ich mit dem am Schreibtisch fertig, verlocken schon irgendwelche Süßwaren, die bei uns im Verlag den Mitarbeitern zur freien Entnahme zur Verfügung stehen. Manchmal gibt es sowas dann vor dem Mittagessen, zumeist aber erst danach. Begleitet ist das alles noch von einigen Espressi. Über deren Sinn kann man diskutieren, Wasser wäre auf alle Fälle mal besser.

Das ist kein "Wohlfühlgesicht"

Das ist kein "Wohlfühlgesicht"

Ab und an muss der Industriebäcker am nachmittag auch noch daran glauben, zumeist ist es dann ein Apfel- oder Topfenrundkuchen. Abends dann noch mein Abendkurs als Ernährungsvorsorgecoach: In der Pause liegen zu Kaffee oder Tee dann diese Billigkeks herum, die ich zum Staunen meiner Mitschülerinnen eher stopfe als esse. Das klingt jetzt komisch, ist aber so. Zumindest die letzten beiden Wochen gestalteten sich so.

Das ich in dieser Zeit auch recht wenig Bewegung machte, tat das seinige dazu. Häufiger Fleischkonsum begleitete das ganze …. und schon fühle ich mich Scheisse. Dieses Wort klingt geschrieben jetzt noch mal so scheisse, ist es aber auch. Denn diese ganze Entwicklung ist von permanentem schlechten Gewissen und laufenden (nicht haltenden) Vorsätzen begleitet: “Das sind aber jetzt die letzten Mannerschnitten”, “Heute nehm ich in der Pause sicher einen Apfel statt den blöden Keks” Haha.

Gut. Irgendwann reichts dann wieder. Und ein Break dieser Verhaltensmuster lässt sich dann unter anderen Lebensumständen leichter umsetzen. Das heisst ich versuchte es an diesem Wochenende. Und es ist ziemlich gut gelungen: Kein Fleisch die letzten 3 Tage. Viel Bewegung: Samstag über 4 Stunden im Wald bergauf und bergab marschiert und am Sonntag dann zweimal jeweils über 70 Minuten schnell durch die Gegend getrabt.

Die Waage ging erstmals wieder ein bisserl runter – nachdem Sie in den letzten beiden Wochen, oder quasi nach Weihnachten wieder massiv nach oben ausgeschlagen hat.

Ich wünsch mir jetzt einfach, daß dieser Break anhaltend ist und ich die Gewohnheiten der letzten 3 Tage auch wieder im real existierenden Wochenalltag umsetzen kann. Kopf hoch – Mund zu!

Wenns um Krankheiten geht da halt ich es oft mit Moliere. Ich höre nur von etwas und schon glaub ich, daß ich es auch habe. Und mach mir einen blöden Kopf.

Besonders wenn ich schlecht drauf bin, dann fall ich leicht in dieses Muster. Brauch nur in der Zeitung lesen, daß ein Prominenter einen Blinddarmdurchbruch hatte und schon ziehts bei mir links unten. Das steigert sich dann manchmal bis zu angstvollen Schweissausbrüchen. Und auf den Boden komm ich dann oft erst wieder, wenn man mir sanft erklärt, daß der Blinddarm auf der anderen Seite liegt. Gut so. Und alles ist wieder in Ordnung. Eingebildeter Kranker halt.

Vor zwei Wochen hat es dann hinten am Kopf ein wenig gezogen. An einer Stelle wo ich nicht hinblicken kann. Hinten halt. Einen Kollegen hab ich dann gebeten, ob er nicht mal einen Blick werfen könnte. Ein Wimmerl hab ich mir halt erwartet. Er meinte aber, es wäre irgendwas anderes und ich soll mir das vom Hautarzt anschauen lassen. Auf gut Deutsch: Die ganze Nacht hab ich natürlich gedacht, daß ich demnächst an Hautkrebs sterben werde. Am nächsten Tag den ersten Termin bei Dermatologen genommen und da schau her: Gürtelrose! Gürtelrose? Oft gehört aber nicht wirklich einordnen können. Eine Entzündung unter der Kopfhaut. Oder wo anders. Bei mir halt einer der seltenen Fälle unter der Kopfhaut. Mit ziemlich heftigen Medikamenten sollte es aber in einer Woche wieder weg sein. Trotzdem ein wenig beunruhigend. Denn immerhin wollte ich ja zwei Tage später für ein Wochenende in die ungarische Hauptstadt.

Mit Mütze bei den Magyaren

Mit Mütze bei den Magyaren

Das Sanktum meines Arztes hab ich aber bekommen: Brav Medizin nehmen, nicht Haare waschen und draussen immer Kopfbedeckung tragen. Also auf nach Budapest. Nicht aber ohne vorher noch brav die Krankheit zu googeln. Schon das machte mir Angst. Hat ja auch alles sehr furchtbar ausgesehen, was man so an Bildern zur Gürtelrose gesehen hat. Darauf hab ich für mich beschlossen, die betroffene Stelle gar nicht mit aller Gewalt sehen zu wollen. (also nix mit Spiegeltricks, Fotografieren etc).

Als ich in der Nacht vor der Abreise per Bahn nach Budapest auch noch einen Knorpel am Hals spürte, der sonst nie da ist, hab ich nochmal in der Welt des Internets nachgesehen und bin auf folgendes Beunruhigendes gestossen: Gürtelrose tritt sehr leicht bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, also HIV Patienten oder Diabetes, auf. Oh Gott. Hab ich mir mitten in der dunklen Nacht natürlich gleich eingeredet und kaum ein Auge mehr bis zur Abreise zumachen können. Die Bahnfahrt nach Ungarn war der reine Horror, von Herzrasen bis Schweißausbrüche – alles dabei. Zumindest hab ich mir geschworen, ganz bald wieder mal alle Gesundenuntersuchungen der Welt zu machen. Falls ich Budapest überlebe.

Budapest ist allemal eine Reise wert

Budapest ist allemal eine Reise wert

Es waren aber dann doch sehr schöne  Tage bei den Magyaren. Trotz Kopfbedeckung. Und auch ganz ohne Haarewaschen. Obwohl es natürlich eine ganz unangenehme Kombination ist: Stundenlang mit einer Mütze durch die Stadt laufen, von einer Donauseite auf die andere, vom Gellert auf die Citadelle und wieder zurück. Da kommt man schon leicht ins Schwitzen – auch im Winter – aber eben unter so einer Mütze. Und dann nicht Haarewaschen. Igitt. Doch ein Vorteil, wenn das Haar nicht mehr zu wallend erscheint.

Und nach einer Woche und einem weiteren Arztbesuch war ich erlöst. Ich durfte wieder Haarewaschen. Der Entzündungsverlauf war laut Dottore “sensationell”. Dank meines famosen Immunsystems ist die Krankheit nicht wirklich ausgebrochen und ich hab mir Bläschen, grausliche Flüssigkeiten und das alles erspart. Sensationelle Abwehrkräfte – das waren seine Worte. Und alles ist wieder gut. Und ich hab mir wieder mal geschworen – mit frisch gewaschenem Haupthaar – daß ich nicht bei jedem kleinen Weh-Wehchen nach den Ursachen google. Mal sehen.

Am Weg zu meinem nächsten Bahnhof liegt eines dieser Schnellrestaurants mit dem großen M, in Österreich auch gerne Schachtelwirt genannt. Über diese Art von Gastronomie wurde zuletzt viel geschrieben, weil hier und auch bei unseren Nachbarn plötzlich auch sogenannte Haubenköche Fleischlabersemmeln, auch Hamburger genannt, kreieren dürfen.

Am nettesten finde ich den Kommentar von Katha in Ihrem Foodblog Esskultur. Und irgendwie bin ich dann schon sehr neugierig geworden. Wenn es dunkel ist (und hier in der Vorstadt kennt mich ohnehin keine Sau), dann kann es schon mal vorkommen, daß ich beim Schachtelwirt auf einen Imbiss vorbeischaue. Daß dies manchmal spätnachts ist, wenn ich gerade von meinem Kurs über Vollwerternährung komme, schreibe ich hier lieber gar nicht.

Aber man sollte halt auch wissen wie das schmeckt, worüber man kurz danach aus dem Bauch heraus schimpft. Und was die dort servieren ist mir normalerweise ziemlich egal, ich muss es ja nicht essen. Stören tut mich aber sehr, daß der Weg von mir zum Bahnhof täglich vollgepflaster ist mit Verpackungen aus besagtem Schachtelwirt. Da liegen Sie: zuerst die braune Tüte mit dem lustigen Clown mit den gelben Handschuhen (ja, auch Ronald McDonals sollte sich nach dem urinieren die Hände waschen!), wenige Meter später dann die Folie mit der ein Burger eingewickelt war und weitere 10 Meter auf meinem Weg liegt dann zumeist das Kartontütchen wo die zuvor noch in Transfetten schwimmenden Kartoffelformfleischstäbchen, die den Namen Pommes Frittes eigentlich nicht würdig sind, zusammengehalten wurden. Manchmal finde ich dann ein paar Meter weiter noch Erbrochenes am Wegesrand, die meisten anderen Spuren dieses logischen Kreislaufes sind dann aber doch Hunden zuzuordnen. Wenngleich manche jetzt meinen Weg zur S-Bahn als durchaus bunt preisen würden, mir gefällt es nicht.

Aber darum geht es jetzt gar nicht, denn ich wollte schlicht und einfach über den gestrigen Abend berichten: Ohne richtiges Abendessen kam ich wieder mal nach meinem Kurs zum Ernährungsvorsorgecoach mit der S-Bahn an und überlegte doch etwas hungrig, was denn noch daheim an Vorräten zum Verzehr bereitstünde. Haferflocken, Bananen und altes Brot wollte ich nun aber auch nicht mehr. Und irgendwie war ich ja auf den von Toni Mörwald entwickelten “Hauben-Burger” bei McDoof doch sehr neugierig. Bevor ich richtig lang darüber nachdenken konnte, warum ich jetzt um 22.00 wirklich noch zum Schachtelwirt ging, stand ich schon in der Schlange. Ja, es war wirklich eine Schlange. Am Bahnhofsplatz von Liesing, wo um diese Zeit eigentlich nur mehr betrunkene Jugendliche herumlungern, kanalisieren sich fast 50 % der ausgestiegenen S-Bahn Passagiere an die 3 Kassenterminals des Schnellrestaurants. Für mich blieb genug Zeit, um mich zwischen einen der beiden “Hauben-Kreationen” zu entscheiden. Die eine war irgendein Rindfleischlaberl mit Kartoffelrösti und bisserl Salat und dicker Sauce in einem weissen Brot, das andere irgendein Hühnerteil mit Tomaten und Balsamico in ebensolchem. Rindfleisch sollte es sein, aber ich musste immer noch warten. Genug Zeit, um mir die Menschen vor und hinter mir in der Schlange anzuschauen, genug Zeit, um dem Geräusch der schwimmend frittierten Kartoffelteile zu lauschen … und schließlich genug Zeit, um das Hirn spätnachts doch noch in Bewegung zu bringen: Unverrichteter Dinge verliess ich die Schlange, die eigentlich nun grad nur mehr aus einer alten Dame vor mir bestand, und legte die letzten Meter nach Hause mit leeren Händen und noch leereren Magen zurück. Umso größer war aber die Vorfreude auf Haferflocken und Bananen zum Frühstück.

Irgendwie fühl ich mich auch als Held, daß ich noch mal umgekehrt bin. Irgendwie finde ich es aber noch doofer, daß ich überhaupt hineingegangen bin.

Nun hat der Sommer doch noch ein wenig vorbeigeschaut. Das konnte ich mit meinem Sohn Florian noch einmal in vollen Zügen geniessen.

Am Samstag hatten wir einen grossartigen Moment: Nach vielen Wochen des schuftens und wartens konnte Florian und ich endlich Paradeiser von unserem selbstgesetzten Strauch in unserem Erntegarten essen. Wir haben uns gleich dort in die Wiese gesetzt und herzhaft in das frische rote Ding gebissen. Dafür alleine hat sich all die Arbeit gelohnt.

 

Gleich am nächsten Tag sind wir dann bei traumhaftem Wetter Richtung Waldviertel gefahren, wo im Schaugarten der wunderbaren Arche Noah das Festival der Gartenvielfalt gefeiert wurde

Und weil es halt gar so heiss war an dem Tag haben wir uns auf der Heimfahrt bei Freunden eingeladen, die in Ihrem wunderbaren Garten einen Swimmingpool herumstehen haben. Da darf man nicht so einfach vorbeifahren. Ich hatte die erhoffte Abkühlung, Florian mit dem gelben Schwimmsaurier einen neuen Freund gefunden … und glücklich waren wir ohnehin alle.

 

 

 

Langsam freue ich mich auf die Frühlingswochenenden und die zunehmende Fitness und das Wetter tragen Ihren Teil dazu bei.

Nach den letzten beiden Radauflügen um den Neusiedlersee hab ich so richtig wieder die Lust am Radfahren gespürt. Natürlich ist es noch ein Vergnügen in Grenzen, aber so zwei Stunden  Radeln am Tag gehen schon. Immerhin habe ich jetzt mal den Mut gefasst, die Neusiedlerseeumradelung – sage und trete über 138 km – in den nächsten Wochen anzugehen. Es wird wohl Pfingsten werden.


Und damit ich bis dahin fit bin, will ich keine Chance auslassen, meinen dicken Popo auf diesen ungemütlich und kaum gepolsterten Sattel zu drücken und die strammen Wadeln in die Pedale zu drücken. In den nächsten Tagen treibt es mich beruflich ins Salzburger Land und da muss das Radl auch mit. Irgendwie ist es schön, in eine andere Stadt zu fahren, den Wagen am Stadtrand abzustellen und dann mit dem Velo die kleinen Gässchen und Winkeln der Metropole kennezulernen. So ist heute eben Salzburg dran. Und weil hier gleich am Residenzplatz der Radfrühling mit viel Action gestartet war, bin ich dorthin. Grad rechtzeitig bevor alle abgebaut haben, denn das um 18.00 angekündigte Ende wurde von den Standlern unkommentiert auf 16.00 vorverlegt. Aber grad noch genug Zeit um von einem Radlpannenhelfer eines Touringclubs zu erfahren, daß bei mir sowohl Gangschaltung als auch Bremsen allerdringendst repariert gehören.

Nun gut: Machen wir das halt. Oder besser: Lassen wir das bald machen. Denn mit meinem mechanischen Geschick würde das wohl nie was werden. Danach bin ich etwas schaumgebremst aber doch recht zügig durch die Mozartstadt gedüst, wo ich noch viele nette andere Radfahrer mit Ihren lustigen Vehikeln getroffen habe.